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50PLUS – JOBS

Mit 50 fängt das Arbeiten an


Kein Gehör für Diskriminierung: Mit 50plus ist noch lange nicht Schluss.

Der Personalabteilung fehlt es an Fingerspitzengefühl, und auch sonst hat sich für den Mitarbeiter seit dem 50. Geburtstag einiges verändert. Doch dann wird es ihm zu bunt, und er dreht den Spiess um, schreibt Natalie Gratwohl in ihrer Kolumne in der «NZZ».

Mit zunehmender Lebensdauer scheinen die Uhren schneller zu ticken. Diesen Eindruck hat jedenfalls ein Sachbearbeiter, der seit über zwanzig Jahren bei einer grossen Versicherungsgesellschaft angestellt ist.

Eben noch hat er doch die Generation "50 plus" mit gesetzteren Personen assoziiert, und schon gehört er selbst zu dieser Altersgruppe. Genaugenommen hat er vor einer Woche seinen 50. Geburtstag gefeiert. Seither hat sich einiges verändert.

In seinem elektronischen Postfach gehen neuerdings Nachrichten wie "Wohnformen 50 plus - Senioren haben mehr vom Leben" oder "Tanzspass Ü50" ein. Ausserdem hat er von der Personalabteilung eine Einladung zur internen Veranstaltung "Vorsorgeplanung leichtgemacht" erhalten sowie die vollmundige Ankündigung, dass er von nun an pro Jahr drei Ferientage mehr erhalten würde.

Kündigung erhalten

Der Sachbearbeiter schüttelt langsam den Kopf, denn die Informationen lassen jegliches Feingefühl vermissen. Erst vor einem Monat hat er nämlich die Kündigung erhalten, weil seine Abteilung nach Polen verlagert wird.

Der Zeitpunkt der Kündigung scheint ihm denkbar ungünstig. Kollegen diskutieren viel darüber, dass es "immer schwieriger wird auf dem Arbeitsmarkt" oder dass der "Zug bald abgefahren ist". Auch in den Medien hat der Sachbearbeiter in letzter Zeit viel über die Nachteile der Generation 50 plus auf dem Arbeitsmarkt gelesen.

Laut den zitierten Statistiken benötigen Menschen ab 50, die arbeitslos geworden sind, zwar länger, um hierzulande wieder einen Job zu finden. Gleichzeitig ist die Arbeitslosenquote bei den Älteren aber auch niedriger als bei den Jüngeren.

"Nur hilft mir dies in meiner jetzigen Situation nicht wirklich weiter", sagt er am Frühstückstisch zu seiner Frau. Auch die öffentlich geführte Diskussion ergibt für ihn kein einheitliches Bild. Einerseits ist viel die Rede davon, dass ältere Arbeitnehmende vermehrt durch jüngere Einwanderer ersetzt werden.

Andererseits wird aber auch in zahlreichen Branchen der Fachkräftemangel beklagt. "Und hier, schau mal", sagt er und zeigt auf einen Artikel zur Altersvorsorge. "Wir alle werden künftig länger arbeiten müssen."

Nicht beim alten Eisen

Davon abgesehen zählt sich der Sachbearbeiter längst nicht zum alten Eisen. Zu Beginn seines Arbeitslebens habe er in gewissen Situationen etwas unsicher agiert, sagt er zu seiner Frau. "Jetzt aber weiss ich genau, wie der Hase läuft."

Unter dem Strich sei er heute produktiver als damals. Zudem hat er die Pubertät seiner zwei Töchter ebenso überstanden wie seine hartnäckige Midlife-Crisis und kann sich nun wieder voll auf die Arbeit konzentrieren.

Als dem Sachbearbeiter jedoch zu Ohren kommt, dass Algorithmen offenbar über 50-jährige Stellenbewerber herausfiltern, bevor die Personalabteilung die Bewerbung zu Gesicht bekommt, wird es ihm zu bunt.

Er beschliesst, den Spiess umzudrehen, und setzt ein Bewerbungsschreiben auf: Sehr geehrte Damen und Herren, gerne biete ich Ihnen nicht nur meinen reichen Erfahrungsschatz, sondern auch mein Interesse an Neuem und meine Schaffenskraft an.

Denn mit 50 plus, da fängt das Arbeiten an! Mit 50 plus, da kommt man erst in Schuss! Mit 50 plus ist noch lange nicht Schluss! (frei interpretiert nach einem Hit von Udo Jürgens). Das Schreiben schliesst mit dem Hinweis, dass der absichtliche Tausch der beiden letzten Ziffern (1976 anstatt 1967) bei der Altersangabe lediglich dazu dient, den Algorithmus zu überlisten.

Zwei Tage später erhält der Sachbearbeiter eine Einladung zum Vorstellungsgespräch.


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