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50PLUS – ALLTAGSHILFE

Ein Messbecher, der spricht


Ärgerlich für Senioren: schmalen Besteck, niedrige Sofas, unleserliche Etiketten.

Wenn die Gesellschaft immer älter wird, müssen sich dann auch ihre Einrichtung und das Design ändern? Und wie findet man heraus, was die Generation 50plus will?, fragen Oliver Herwig und Antje Stahl in der «NZZ».

Wenn es stimmt, was die Ämter für Statistik vieler Industrienationen so berechnen, stehen wir vor dem grössten Wandel der Moderne nach der Digitalisierung: am Beginn des Zeitalters der Senioren. Keiner der über 65-Jährigen möchte zwar zu dieser Kategorie zählen - "Senioren" klingt einfach zu alt und tatterig.

Aber die alternativen Bezeichnungen, die es gibt, wie Best, Silver oder Golden Ager, sind leider noch nicht überall angekommen. In Langenthal jedenfalls nennen die Designer die Mature Consumer nach wie vor Senioren, obwohl sie ab sofort einen festen Platz in der Gestaltungsbranche der Schweiz bekommen sollen.

Zum ersten Mal wollte die Jury des grossen Schweizer Design-Preises im kleinen Langenthal Projekte auszeichnen, die sich der alternden Gesellschaft annehmen. Es ist wohl auch eine Art nationaler Aufruf gewesen mit der Idee, dass sich die jungen Leute dringend mehr Gedanken machen müssen über das Leben ihrer Grosseltern und die Zukunft ihrer Eltern.

Im Jahr 2045 werden 26,4 Prozent der Schweizer Bevölkerung jenseits der 65 sein. Das sind fast doppelt so viele wie im Jahr 2015. Hinzu kommen all jene, die sich nicht mehr alleine versorgen können und auf fremde Hilfe angewiesen sind.

Gesundheitslatschen

Wer eine Grossmutter hat, die zu stolz ist, das einzusehen, weiss, dass die Krücken, Rollatoren und Rollstühle ihr nicht die Scham nehmen werden, im Gegenteil: Sie stellen ihre Gebrechen genauso aus wie die beigen Gesundsheitslatschen, in die sie die geschwollenen Füsse quetschen soll.

Wer eine Grossmutter hat, die bereits ein Zimmer im Altersheim bezogen hat, weiss, wie einsam sie sich dort fühlt. Es ist bemerkenswert und grausam, dass ihresgleichen in Werbekampagnen von Pharmakonzernen und Versicherungen zwar berücksichtigt, aber von Lifestyle-Magazinen, sozialen Netzwerken und Designern gerne ignoriert werden.

Eine Untersuchung der Deutschen Bank Research zeigte bereits 2003, dass ein zentrales Hemmnis bei der Entwicklung wie der Vermarktung neuer Produkte "die Altersdifferenz zwischen der Zielgruppe und den zumeist jungen Produktentwicklern und Marketingexperten" sei.

Ihr Fazit: Viele Firmen fürchteten, das mühsam aufgebaute Image des Jungseins zu zerstören. Gleichzeitig muss man festhalten, dass dieses nicht nur Teenager und Yuppies anspricht. Jeder, der sich für Design begeistert, will auf der Höhe seiner Zeit sein, ein Bewohner der Gegenwart bleiben und nicht in die Liga der Vergreisten geschoben werden.

Nur leider eignen sich die vielen schönen Dinge in den Designshops nicht immer für ihren Gebrauch. Das beginnt beim schmalen Besteck, geht über niedrige Sofas und schlanke Stühle und endet bei unleserlichen Etiketten. Wird es zur Jahrhundertmitte eine verpflichtende Grossschreibung für offizielle Dokumente geben und extrabreite Tasten an Handys, Automaten und anderen technischen Geräten?

Vor einiger Zeit hätten Gestalter diese Frage wohl mit Ja beantwortet. Inzwischen zeichnet sich ab, dass wohl Assistenzsysteme einspringen. Digitale Schriften passen sich bald automatisch an verschiedenste User an, Tasten werden durch Spracheingabe weitgehend überflüssig. Wer aber nicht zu den Medienaffinen gehört, über keine Mobiltelefone und Computer verfügt, wird von solchen Entwicklungen auch ausgeschlossen.

Universal Design

Vor allem im analogen Universum gibt es einige bescheidene Fortschritte. Ein normales Brotmesser etwa hat einen 90 Grad nach oben abgewinkelten Griff bekommen, lässt sich also wie eine Säge verwenden. Das schont nicht nur arthritische Gelenke, sondern hilft allen, die mal wieder eine Brotscheibe abschneiden wollen.

Es gibt Messbecher, die das Gewicht laut verkünden oder eine zusätzliche, von oben lesbare Skala anbieten, Getränkeflaschen, die sich auch mit dicken Fingern einfacher öffnen lassen und sogar Allradfahrzeuge, die die einen als Offroad-Vehikel durch den Schlamm fahren und anderen als Rollstuhl dienen.

Der Clou: Nach Reha sieht der C2000 Power Wheelchair von Otto Bock nicht mehr aus. Er macht sogar Spass. Das ist Universal Design: möglichst viele Menschen mitnehmen. Vor 30 Jahren formulierte der Amerikaner Ron Mace sieben Regeln, die Firmen und Gestalter auf diesem Weg beherzigen sollen, darunter "einfache und intuitive Benutzung" oder "niedrigen körperlichen Aufwand".

Das wäre ein Konzept für eine Revolution in der Gestaltung - und im Marketing, das jenseits von Zielgruppen denkt. Universal Design ist kein modischer Trend, sondern etwas, was sich selbst überflüssig machen möchte, indem es selbstverständlich wird. Es gleicht damit der Forderung nach Nachhaltigkeit.

Das heisst aber auch, dass Erkenntnisse der Altersforschung - vom Wohnumfeld über Mobilität bis zu veränderter Kommunikation - Eingang finden in neue Produkte und Services.

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