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50PLUS – KINDERWUNSCH

Mutter werden zwischen 50 und 60


Biologisch ist vieles möglich – ethisch vieles diskutabel.

Das erste Mal als 50plus Mutter zu werden, das ist heutzutage keine Seltenheit mehr. Ist das ein Grund zur Gratulation oder zur Sorge?, fragt «BILD».

Wie Gynäkologe Dr. Achim Wöckel erklärt, erleben ältere Frauen "Kinderglück zwar oft viel bewusster, als die jüngeren". Aber es gibt auch Gefahren, die eine Risikoschwangerschaft (ab dem 35. Lebensjahr) für Mutter und Kind mit sich bringt: Schwangerschaftsdiabetes, Schwangerschaftsvergiftung (Präklampsie) und eine höhere Wahrscheinlichkeiten für Frühgeburt und Gen-Defekte.

Je älter die werdende Mutter ist, desto höher ist beispielsweise ihr Risiko, an Schwangerschaftsdiabetes zu erkranken. Dieser verschwindet zwar in rund 90 Prozent der Fälle mit Ende der Schwangerschaft wieder, aber die Betroffene hat eine erhöhte Gefahr, später zur Diabetikerin zu werden. Ausserdem neigen auch die Kinder zu der Stoffwechselkrankheit, genau wie zu Übergewicht.

Der Begriff Präklampsie ("Schwangerschaftsvergiftung") umfasst mehrere Probleme, wie etwa Bluthochdruck. Der Körper der Mutter will eine drohende Unterversorgung des Embryos ausgleichen, und steigert daher den Blutdruck. Weitere Präklampsie-Symptome sind eine Eiweissausscheidung mit dem Urin und Veränderungen des Blutbildes. Verschiedene Organe der Mutter können betroffen sein. Unbehandelt eine Gefahr für Mutter und Kind! Bei einer engmaschigen Überwachung der Schwangeren kann das Risiko jedoch deutlich gesenkt werden.

Als dritte Gefahr einer späten Schwangerschaft lauert die Frühgeburt - oft verursacht durch einen aufsteigenden Infekt. Frauenärzte raten Schwangeren über 35 daher, besonders oft zur Vorsorgeuntersuchung zu gehen.

Warum werden Frauen heutzutage immer später Mütter? Deutsche Frauen bekommen heute ihr erstes Kind im Schnitt mit fast 30 Jahren, 1970 lag der Wert noch bei 24,3 Jahren. Und diese Tendenz wird sich laut Wöckel vorerst nicht ändern. Grund: "Viele Frauen streben die bestmögliche Ausbildung an. Sie wollen Karriere machen und auch finanziell selbstständig sein, bevor sie ein Kind in die Welt setzen." Und: Sie wollen sich erst einmal richtig ausleben, um später nicht das Gefühl haben, etwas verpasst zu haben.

Psychologe Dr. Elmar Basse aus Hamburg: "Die Konsum-, Spass- und Selbstverwirklichungsgesellschaft stellt das Ausleben des eigenen Egos besonders in den Vordergrund. Die Phase des Erwachsenwerdens hat sich zudem im Laufe der Jahrzehnte zeitlich nach hinten verlagert, insbesondere bei Akademikern."

Wann ist der optimale Zeitpunkt für eine Schwangerschaft? Zwischen dem 25. und dem 35. Lebensjahr. In diesen Jahren sind die biologischen und hormonellen Voraussetzungen optimal. Danach nimmt die Gefahr von Komplikationen zu. Übrigens: Auch besonders junge Mütter, etwa mit 16 oder 17 Jahren, haben ein erhöhtes Risiko!

Fällt späten Müttern die Erziehung leichter? Nein. Spätgebärende Frauen haben in der Regel ein höheres Bildungsniveau, haben sich lange Zeit auf ihre Karriere konzentriert und sind ein strukturiertes Umfeld gewöhnt. Wöckel: "Sie empfinden den unberechenbaren Faktor Kind oft drastischer als jüngere Mütter." Andererseits haben sie sich meist ganz bewusst für den Nachwuchs entschieden, haben oft bereits viel erreicht und können sich nun entspannt auf das kleine Wesen konzentrieren. Zudem gibt es in vielen Fällen einen Partner, dem die Vaterrolle auch wirklich zuzutrauen ist.

Gibt es Altersgrenzen? Auch wenn 40-Jährige Frauen oft problemlos Nachwuchs bekommen können - ab einem bestimmten Alter hört die biologische Fortpflanzungsfähigkeit auf. Dann muss die Medizin nachhelfen, z.B. wenn 60-Jährige plötzlich noch einmal Mutter werden wollen. Für Wöckel "sowohl biologisch als auch psychosozial mehr als fragwürdig. "Erstens ist der Organismus einer Frau in diesem Alter für eine Schwangerschaft überhaupt nicht mehr ausgelegt und zweitens wird die Mutter ihr Kind im Zweifelsfall überhaupt nicht mehr aufwachsen sehen."


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