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50PLUS – WIRTSCHAFT

Warum Pensionierte für die Gesellschaft so wertvoll sind


Pensionierte 50plus sind unentbehrlich in der freiwilligen Betreuung von Betagten.

Rentner engagieren sich zunehmend in sozialen Projekten und Unternehmen. Schon jeder Dritte gibt sein Wissen auf diese Weise weiter. Und kann damit mehr bewegen als man so denkt, schreiben Stefanie Bolzen und Freia Peters in der «Welt».

«Salon Hübsch» steht auf dem Fussabtreter vor der Wohnung im achten Stock in einem der beiden Türme des Frankfurter Tors in Berlin. Es öffnet aber kein Friseurmeister die Tür, sondern Reinhard Hübsch, langjähriger Kulturredakteur und Radioreporter des Südwestrundfunks.

Hübsch ist jetzt 64 Jahre alt - und hat noch einiges vor sich. Erst vor ein paar Tagen hatte er seinen letzten Arbeitstag. Fortan wird er noch 70 Prozent seines Gehalts überwiesen bekommen - und die volle Entscheidungsfreiheit haben, wie er seinen Tag gestaltet.

Hübsch will nicht nur Cappuccino trinken und Ausstellungen anschauen. Er will etwas bewegen. "Es gibt so viel Unterstützungsbedarf um mich herum, ich muss nur mal ein paar Kilometer Richtung Osten fahren, da wachsen viele Kinder in der falschen Umgebung auf", sagt Hübsch.

Mit denen möchte er lesen üben oder die Schulaufgaben betreuen. Hübsch hat viel Glück gehabt in seinem Leben. Er hatte einen tollen Job, lernte viele interessante Menschen kennen und verdiente gutes Geld.

Jetzt will er etwas zurückgeben. "Am Sonntag hatte ich meinen ersten Dienst bei der Telefonseelsorge", sagt Hübsch. Zunächst hatte er selbst etwas Sorge, ob er damit umgehen kann, wenn jemand ihm von Gewalt erzählt.

"Aber zuhören kann ich gut", sagt er - und eine beruhigende Stimme hat er auch. Ab sofort muss er jeden Monat für mindestens eine Nachtschicht zur Verfügung stehen, auch das kennt er vom Radio. Und es gibt einen Riesenbedarf.

"Es wäre schade, wenn das ganze Wissen verloren geht"

Dass Senioren im Rentenalter nicht untätig zu Hause sitzen wollen, erfreut vor allem die Sozialverbände. Gerade weil die entsprechenden Statistiken auch einen Anstieg der ehrenamtlichen Arbeit zeigen.

Laut dem Freiwilligensurvey des Familienministeriums engagierten sich 1999 gerade einmal 23 Prozent der Personen im Alter ab 65 Jahren aufwärts freiwillig - 15 Jahre später waren es bereits 34 Prozent.

Die meisten von ihnen sind gut gebildete Menschen, so wie Hübsch. Rund ein Viertel von ihnen verwendet sechs und mehr Stunden pro Woche für die Tätigkeit, meistens in einem sozialen Bereich.

"Es wäre einfach schade, wenn das ganze Wissen, das ich angehäuft habe, verloren geht", sagt Reinhard Hübsch. Ähnliche Entwicklungen zeigen sich auch im Rest Europas. Gebildete Rentner mit hoher Berufsqualifikation geben ihr Wissen unentgeltlich weiter.

Wovon sie auch selber profitieren: Studien belegen, dass ehrenamtliches Engagement gegen Depressionen hilft und das Selbstvertrauen stärkt. Menschen, die im Alter für andere da sind, fühlen sich generell körperlich wohl, weil sie in Bewegung bleiben, soziale Kontakte pflegen.

Eine Studie der britischen Universität Exeter bescheinigte jüngst sogar, dass Ehrenamt im Alter das Leben verlängert.

Unternehmen holen alte Mitarbeiter wieder zurück

Für die Integration älterer Menschen tut die Politik mittlerweile einiges. "Mehr und mehr wird erkannt, dass man die Potenziale des Alters nicht verschenken darf", sagt Altersforscher Andreas Kruse.

Neben seiner Tätigkeit als Professor für Gerontologie an der Universität in Heidelberg leitet Kruse die elfköpfige Expertenkommission, die im Auftrag der Bundesregierung den Altenbericht erstellt.

Lange Zeit habe Deutschland im europäischen Vergleich eine Sonderrolle gespielt, mit dem Alter wurden primär Defizite verbunden - und nicht Potenziale. Das Diktat der Frühverrentung sei besonders stark gewesen.

Doch seit Kurzem setze sich nach und nach eine neue Entwicklung durch. "Es gibt Unternehmen, die ehemalige Mitarbeiter vor allem für die Mentorenschaft wieder zurückholen", sagt Kruse.

"Diese werden auch von den Jungen vielfach als eine wirkliche Bereicherung erfahren." Mit 70 habe man ein hohes Mass an Expertise und eine intuitive Intelligenz.

"Sie können ihr Arbeitsgebiet sehr gut einschätzen, jüngere Menschen einführen und motivieren, sie können Konflikte meist besser bewältigen." 

Lesen Sie den ganzen Artikel in der «Welt»


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