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50PLUS – GESUNDHEIT

E-Bikes überfordern Senioren


50plus unterschätzen häufig die Geschwindigkeit eines E-Bikes.

Rasch vorankommen und Steigungen locker bewältigen: E-Bikes bieten viele Vorteile. Allerdings nimmt auch die Zahl der Unfälle mit diesen Velos zu. Besonders oft sind ältere Menschen beteiligt, schreibt Patrick Baumann auf «tagblatt.ch».

Elektrovelos erfreuen sich steigender Beliebtheit, können ungeübte Fahrer aber rasch überfordern. Die Zahl der Unfälle mit ­E-Bikes hat sich auf St.Galler Strassen im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt.

Die Kantonspolizei St.Gallen bezeichnet diese Entwicklung als "besorgniserregend". Im Kanton Appenzell Innerrhoden gab es vorletztes Jahr einen tödlichen E-Bike-Unfall und auch im Kanton Appenzell Ausserrhoden sind schwere Unfälle mit Elektrovelos keine Seltenheit mehr.

"Wir verzeichnen ebenfalls eine steigende Tendenz gegenüber den Vorjahren", sagt Ueli Frischknecht von der Ausserrhoder Kantonspolizei. Als Gründe für die vielen Unfälle fügt Frischknecht die Geschwindigkeit und das grosse Gewicht der E-Bikes an.

"Durch diese zwei Faktoren verlängert sich der Bremsweg erheblich". Das sei nicht allen bewusst. Weiter unterschätzten andere Verkehrsteilnehmer die Geschwindigkeit von Elektrovelos, beispielsweise bei Überholmanövern.

Reaktionsfähigkeit nimmt ab

Bei der Auswertung nach Alter zeigt sich, dass besonders viele ältere Menschen in Unfälle mit E-Bikes verwickelt sind. Für Experten ist dies wenig überraschend. "Bei Seniorinnen und Senioren braucht es länger, bis ein Reiz, beispielsweise eine gefährliche Situation, aufgenommen, verarbeitet und in eine Reaktion umgesetzt wird", sagt Thomas Münzer, Chefarzt der Geriatrischen Klinik St.Gallen.

Die Reaktionszeit nehme mit fortschreitendem Alter langsam, aber kontinuierlich ab. "Studien zeigen eine Verlangsamung von 0,5 bis 1,6 Mil­lisekunden pro Jahr. Männer ­bauen etwas schneller ab als Frauen."

Ältere Verkehrsteilnehmer werden aber nicht nur durch langsamere Reaktionszeiten beeinträchtigt. "Seh- und Hörprobleme, Veränderungen des Bewegungsapparates, Einschränkungen der Beweglichkeit der Halswirbelsäule und natürlich nachlassende Gedächtnisleistung sind weitere wichtige Faktoren", sagt Münzer.

Aufgrund der genannten Faktoren müssen sich Seniorinnen und Senioren ab dem 70. Lebensjahr alle zwei Jahre untersuchen lassen, falls sie weiterhin am Strassenverkehr teilnehmen möchten. Ein negatives Testresultat könne zum Entzug des Führerausweises führen und damit auch ein Verbot mit sich bringen, E-Bikes zu fahren.

"Es braucht Einführungskurse"

Auch Theo Schmidhauser, Leiter Bildung und Sport bei der Pro Senectute Appenzell Ausserrhoden, überraschen die gestiegenen Unfallzahlen bei Älteren nicht. "Wir stellen fest, dass E-Bikes bei ­Senioren sehr beliebt sind.

Sie ­erlauben es langjährigen Velofahrern, ihrem Hobby auch im ­Alter nachzugehen." Ihm falle dabei auf, dass die motorgetriebenen Velos oft unterschätzt würden. "Meiner Meinung nach braucht es für E-Bikes Einführungskurse", sagt Schmidhauser.

Die Pro Senectute Appenzell Ausserrhoden bietet solche Kurse für Seniorinnen und Senioren an. "Der Fokus liegt dabei auf der Fahrsicherheit. Es wird aber auch theoretisches Wissen vermittelt." Das Interesse an den bisher durchgeführten Kursen habe sich in Grenzen gehalten.

"Wir hoffen aber, dass E-Bike-Kurse mit einem speziellen Fokus auf die Fahrsicherheit auf mehr Zuspruch stossen."


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