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50PLUS – LIEBE

Auch ohne Erektion zum Orgasmus


50plus und Sex: Frauen und Männer haben unterschiedliche Vorstellungen.

Über Sex wird nach wie vor kaum gesprochen – vor allem nicht im Alter. Das ist ein Fehler. Denn nur durch Kommunikation ist ein erfülltes Sexualleben auch im Alter möglich, schreibt Sonja L. Bauer in der «Berner Zeitung».

Das Thema ist noch immer tabu. Trotz Aufklärung, Emanzipation, Freiheit und schamlosem Internetsex: Über Sexualität wird nur offen gesprochen, wenn sie andere betrifft.

Und erst recht nicht über Sex im Alter. Erwachsene vor der Lebensmitte sähen dazu meist keinen Anlass, Jugendliche könnten sich sowieso nicht vorstellen, dass ihre Grosseltern noch Sex haben könnten, und die Älteren trauten sich aus falscher Scham meist nicht, erklärt Physiotherapeutin Jacqueline De Jong (55).

Die gebürtige Holländerin, die heute im Berner Oberland lebt, hat eine eigene Praxis im Zentrum Artos in Interlaken und beschäftigt sich seit Jahren mit den Themen rund um den ­Beckenboden. Gemeinsam mit Gynäkologen, Urologen und anderen Spezialisten gibt sie verschiedene, von der Pro Senectute organisierte Vorträge.

Gegenwärtig auch mit dem medizinischen Sexologen Woet Gianotten zum Thema Sexualität im Alter.

Mut zur Kommunikation

Gerade Menschen über 50 sollten sich aber austauschen, wenn es um ihre Lust geht, über ihre Wünsche und Unsicherheiten. De Jong: "Dann zum Beispiel, wenn die Vagina trocken wird und die Frau Schmerzen hat beim Sex. Oder wenn der Mann alters­bedingt oder infolge einer Prostataoperation eine nur schwache bis gar keine Erektion mehr bekommt."

Liebe und Sexualität ­gehörten zusammen, und beide ­Geschlechter müssten sich mit eventuellen Problemen oder Ängsten auseinandersetzen. "Da sind Männer und Frauen gar nicht so verschieden", weiss De Jong. Deshalb gebe es nichts Wichtigeres, als dass die Liebespartner Missverständnisse im Gespräch ausräumten.

"Durch Kommunikation entsteht gegenseitiges Verständnis, und darauf folgt das Aha-Erlebnis."

Orgasmus auch ohne Erektion

Nur wenn die Partner sich selbst und auch den Körper des anderen kennten und sie sich dadurch vertrauten, sei erfüllter Sex möglich, ist die Expertin überzeugt. Die Frau müsse sich mitteilen, und auch der Mann solle sagen können, dass er Lust auf die Frau empfinde - selbst wenn er Mühe habe, eine Erektion zu bekommen.

"Viele wissen nicht, dass es möglich ist, auch ohne Erektion zum Höhepunkt zu kommen. Oft wird vergessen, dass Potenz nichts mit Lust zu tun hat." So mancher Mann habe in seiner Jugend gelernt, dass das erigierte Glied ein Statussymbol sei.

"Ein stehender Phallus steht für Kraft und Potenz." Bei jungen Männern gehe es vor allem darum, beim Sex zum Orgasmus zu kommen. "Später darum, den Sex auch ohne sofortigen Orgasmus geniessen zu können." Sie habe, so die Fachfrau, in ihrer Praxis sogar Männer erlebt, die ihrer Partnerin, aus Angst vor dem vermeintlichen Versagen, eher erzählten, sie empfänden keine sexuelle Lust mehr, und sich ohne Sex arrangieren.

"Nur weil sie befürchteten, nicht mehr 'Mann genug zu sein'. Das darf nicht passieren!" Wisse man Bescheid über die Unsicherheiten des anderen, so finde man Lösungen. In ihren Vorträgen werde viel gelacht, wenn sich die Teilnehmenden in einem Problem wiedererkennten, schmunzelt De Jong.

Für Frauen häufig nur ein «schöner Zusatz»

"Männer sind dankbar, wenn ihre Probleme wahrgenommen und angesprochen werden." Dies sehe sie in ihren Be­ratungen. Obwohl sich Männer und ­Frauen in ihren Gefühlen gar nicht so sehr unterschieden, wie einem die Medien vormachten, sei es doch meist so, dass der Mann auch im Alter sexuell aktiver und direkter sei.

"Ein Mann hat Lust, eine Frau muss sie erst bekommen", fasst es De Jong ­zusammen. Während die Frau noch daran denke, was alles zu erledigen sei, sei er schon bereit. Eine ältere Frau müsse gekonnter verführt werden als eine junge.

De Jongs Erfahrung zeigt auch, dass das Klischee schon etwas an sich habe, wonach für Männer in einer Liebesbeziehung Sex auch im Alter noch dazugehöre. Für eine Frau dagegen sei es eher ein "schöner Zusatz".

"Die Erregungskurve der Frau nimmt mangels Hormonausschüttung ab." Ein Mann könne sich problemlos nach Meinungsdifferenzen durch Sex versöhnen. Wogegen dies die Frau wütend machen könne. "Sie muss sich geliebt fühlen und versöhnt sein mit dem Partner, damit es im Bett funktioniert.

Fühlt sich eine Frau geliebt und verstanden, ist sie auch eher zu Sex bereit."

Aufeinander zugehen

Der Männerkörper produziere bis ins Alter Testosteron, nur die Menge nehme ab. Was aber, wenn die Frau im Alter keine Lust mehr hat? Soll sie dann trotzdem mit dem Mann schlafen - nur, um ihn bei Laune zu halten? Aller Emanzipation zum Trotz? "Nein!", wehrt De Jong ab.

"Aber auch eine Frau kann nicht einfach die Türe zumachen. Es ist wichtig, dass sie genauso auf den Mann eingeht, wie sie sichs umgekehrt von ihm wünscht." Für Männer sei es heute nicht immer einfach, das Richtige zu tun.

"Gerade in der Sexualität haben sie es schwer. Sie sollen zärtliche Liebhaber sein, Verführer, starke Männer, sensible Freunde." So könne man sich ja in der Mitte treffen: "Vielleicht könnte sich auch eine ältere Frau öffnen, um sich verführen zu lassen - oder selbst zu verführen! Wer weiss, vielleicht findet sie so ihren Spass an der Sexualität wieder . . ."


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