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Über Leben und Sterben nachdenken – Pensionierung als Auslöser


Interview: Beat Vogel, Leiter Caritas Care. Als Geri Meili (65) vor einem Jahr kurz vor seiner Pensionierung stand, interessierte ihn nicht nur, wie es finanziell weitergehen soll. Zusammen mit seiner Frau sprach er auch über seine Einstellung zum Sterben und machte eine Patientenverfügung. Im Gespräch erzählt uns Geri Meili, was ihm besonders wichtig war.

Caritas: Was war für Sie der Anlass, eine Patientenverfügung zu machen?

Geri Meili: Vor zwei Jahren besuchte ich einen Vorbereitungskurs für meine Pensionierung. Neben der Klärung der finanziellen Sicherheit im Alter sprachen wir auch über das Testament und die Patientenverfügung. Das war für mich der Auslöser, zusammen mit meiner Frau über das Leben und das Sterben nachzudenken. 

Caritas: Welche Einstellung haben Sie zum Sterben? 

Geri Meili: Mit meiner Frau diskutierte ich intensiv über den Sinn von lebensverlängernden Massnahmen. Nicht um jeden Preis wollen wir unser Leben verlängern mit der Spitzenmedizin. Beide haben wir eine Vorstellung von einem natürlichen Sterben. Das heisst: Sterben zu können, wenn die Zeit reif ist. Diese Erfahrung haben wir mit unseren Eltern gemacht. Mein Vater hatte mit 80 Jahren einen kleinen Schlaganfall, was seine Bewegungsfreiheit einschränkte. Seitdem zog er sich immer etwas mehr zurück. Er beobachtete das Geschehen um sich und war froh, nicht mehr alles so ernst nehmen zu müssen. Er spielte aber Klavier bis kurz vor seinem Tod, obwohl er sonst fast nichts mehr tat. Er ist uns ein Vorbild.

Caritas: Nur wenige Menschen in der Schweiz befürworten eine Organtransplantation nach ihrem Tod – wie sehen Sie das?

Geri Meili: Mit der Organtransplantation tun wir uns schwer. Wir haben eine grundsätzliche Skepsis gegenüber der Entnahme und Transplantation von Organen – ist es sinnvoll und wirklich nötig? Ist es vor allem im Interesse der Chirurgen? Gibt es einen Organhandel? Allerdings haben wir auch keine bestimmte Erfahrung damit. Aufgrund dieser Unsicherheit entschieden wir uns gegen eine Organentnahme. Diesen Entscheid werden wir jedoch auch wieder mal überprüfen.

Caritas: Haben Sie und Ihre Frau einander als Entscheidungsbefugte in der Patientenverfügung eingesetzt?

Geri Meili: Als Ehepaar können wir so oder so in medizinischen Fragen füreinander entscheiden. Sollte das nicht möglich sein, haben wir unseren Sohn und unsere Tochter beauftragt, in unserem Sinn zu entscheiden. Das ist für sie eine Selbstverständlichkeit. Sie wissen auch, wo wir unsere Patientenverfügung aufbewahren.

Caritas: Welche Tipps können Sie anderen Menschen geben, die eine Patientenverfügung machen wollen?

Geri Meili: Es ist praktisch, ein Dokument zu haben mit Erläuterungen. Die Vorlage der Caritas ist gut, aber es ist genauso wichtig, mit der Partnerin oder dem Partner, den Kindern oder mit Freunden das Gespräch zu suchen. Es hilft uns herauszufinden, was wir über das Leben und über ein sinnvolles Sterben denken. Und: Zu wem wir Vertrauen haben und wer an unserer Stelle entscheiden soll, wenn wir selber nicht mehr dazu in der Lage sind. 

Caritas: Was hat das Ausfüllen einer Patientenverfügung bewirkt?

Geri Meili: Im Alltag bespricht man viel Organisatorisches. Hier haben wir ein wirklich wichtiges Gespräch geführt: Über Leben und Tod, über Gesundheit und Krankheit, über sinnvolle und sinnlose Behandlungen, über die Einstellung zum Leben. Wir haben nicht eigentlich Angst vor dem Tod, aber es kann plötzlich etwas passieren. Das wird einem im Alter bewusster. Im Gespräch haben wir gemerkt: Wir haben ähnliche Vorstellungen. Das hat unser gegenseitiges Vertrauen gestärkt.


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