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50PLUS – FAHRTAUGLICHKEIT

«Einer stand auch schon mit dem Gewehr hier»


Ärzte im Dilemma: Wie sagt man einem 50plus, dass er nicht mehr fahren darf?

Ab 70 oder 75 zur medizinischen Kontrolle? Das Thema sei sehr vielschichtig, sagen Ärzte aus der Region Solothurn. Fahreignungsabklärungen sind eine Herausforderung, schreibt Noëlle Karpf in der «Solothurner Zeitung».

Es ist kein einfaches Thema: Senioren am Steuer. Greift der Arzt in die persönliche Freiheit ein, wenn er einem Patienten den Führerschein abspricht? Reichen Sehtest und Co., um zu beweisen, dass ein Senior im Strassenverkehr sicher unterwegs ist?

Aktuell diskutieren Politiker darüber, ob Senioren wie bisher ab 70, oder künftig erst ab 75 regelmässig zur medizinischen Fahreignungsabklärungen sollen. Was sagen die, die diese Checks durchführen - die Ärzte? "Keine Zeit" oder "Kein Interesse" heisst es auf Anfrage bei rund zehn Praxen in der Region.

Drei Ärzte sind bereit Auskunft zu geben. Sie beschäftigt bei diesen Tests weit mehr, als nur die Alterslimite.

Test ab 70 oder 75?

Eigentlich egal Simon Heiniger von der Oltner Gruppenpraxis Ziegelfeld sagt, das Thema habe ihn "müde" gemacht. "Ich habe mich so oft schon nach einer Debatte gefreut oder geärgert" - und dann sei es doch wieder anders gekommen. Mittlerweile nehme er es einfach zur Kenntnis, wenn ein endgültiger politischer Entscheid da sei. Manchmal frage er sich, ob Politiker wirklich im Sinne der Bürger handeln. Oder einfach zu einem Thema, das für viel Aufmerksamkeit sorge, auch noch etwas sagen wollen.

Simon Jörger vom Ärztezentrum Leuenfeld in Oensingen sagt zwar, die Statistik spreche eher für Tests ab 75: "Bis heute gibt es keine Studie die beweist, dass Menschen zwischen 70 und 75 mehr Unfälle verursachen als Jüngere", so Jörger.

Und: Es gebe wohl mehr Unfälle wegen Alkoholkonsums oder Müdigkeit als aufgrund ungenügender Fahreignung von Senioren. "Ich denke nicht, dass man sich als Bürger verunsichert fühlen muss, wenn die Altersgrenze angehoben wird", sagt Jörger. A

uch der Gerlafinger Arzt Markus Schiltknecht ist der Meinung, auf diese fünf Jahre käme es unterm Strich nicht an. Er sagt aber: "Man kann die Untersuchungen gut erst ab 75 durchführen." Wer fahruntauglich sei, habe schon vor Erreichen der Alterslimite Probleme, die der Arzt nicht erst bei der Fahreignungsuntersuchung feststelle.

Test zeigt nicht, ob Senior wirklich Auto fahren kann

Um die Fahreignung des Seniors zu prüfen, kontrolliert der Arzt etwa die Sehstärke, oder ob der Patient den Kopf noch drehen kann. Seien diese "harten" Kriterien nicht erfüllt, falle die Entscheidung leicht, sagt der Gerlafinger Arzt Schiltknecht: "In allen anderen Fällen ist es schwierig", denn dann muss der Arzt nämlich abwägen.

So laufen die Untersuchungen ab "Ich weiss eigentlich nicht, ob meine Patienten Auto fahren können,", sagt der Oltner Arzt Heiniger. "Sondern nur, ob sie den Kopf noch beisammen haben." Man teste die medizinischen Voraussetzungen - und nicht die Fahrkünste der Senioren, sagt auch der Oensinger Arzt Jörger.

Dabei sei der Doktor auf die Kooperation des Patienten angewiesen. Dieser muss offen reden über allfällige Krankheiten, die die Fahreignung einschränken könnten. Wie junge Leute können auch Senioren "gute und schlechte Tage" haben, sagt zudem der Oltner Arzt Heiniger.

"Wenn der Patient weiss, heute werde ich auf Fahreignung kontrolliert, geht es ihm vielleicht gut - am nächsten Tag sollte man ihn nicht auf die Strasse lassen." Test lässt Ärzte "viel zu grosse" Verantwortung tragen Als Arzt gerate man bei der Fahreignungsuntersuchung schon in ein Dilemma, sagt Jörger aus Oensingen.

"Der Patient wird plötzlich zum Testkandidaten"

"Man ist Richter und Anwalt zugleicht", sagt auch sein Oltner Kollege Heiniger. Das gelte nicht nur für den Entzug des Führerschein - sondern bereits beim Veranlassen einer Probefahrt mit einem Experten: "Das ist ein Misstrauensbeweis mitten ins Gesicht."

Einige Patienten würden einen negativen Entscheid gut aufnehmen, weiss Gerlafinger Arzt Schiltknecht. Es gebe aber auch andere. "Einer stand schon mit dem Gewehr hier." Sollte man den Patienten dann besser "abschieben", damit die MFK oder oder ein Verkehrspsychologe die Entscheidung abnimmt?

"Eigenlich ist das schon gut, dass wir Hausärzte das machen", sagt Schiltknecht. "Wir kennen ja die Probleme und Krankengeschichte unserer Patienten." Es sei ein praktisch unlösbares Dilemma, sagt Simon Heiniger. "Einerseits sind wir alle schockiert, wenn es zu einem Verkehrsunfall kommt. Wenn ein Senior den Unfall verursacht hat, wollen alle plötzlich strengere Regeln."

Auf der anderen Seite gelte die Fahrerlaubnis fast schon als Menschenrecht. Man wolle Sicherheit und Freiheit. "Da gibt es eine grosse Schnittmenge, aber ganz kann das nie aufgehen", so Heiniger. Die Gesellschaft wolle das Problem lösen, sei damit aber überfordert. Daran könne wohl auch eine weitere politische Debatte nichts ändern.


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