VORSORGE

Sinkende Umwandlungssätze: Ist Frühpensionierung das richtige Rezept?

Ist eine Frühpensionierung sinnvoll?

Ist eine Frühpensionierung das richtige Rezept? Foto: Schwyzer Kantonalbank

Die steigende Lebenserwartung und sinkende Anlageerträge sorgen bei den Pensionskassen für sinkende Umwandlungssätze.

Vor diesem Hintergrund spielen manche Versicherte mit dem Gedanken, sich früher pensionieren zu lassen. Wie sinnvoll aber ist dieser Schritt?

Das Leben im Alter muss finanziert werden können – dafür wird während der Erwerbszeit Geld zur Seite gelegt. Vereinfacht gesagt ist dies die Funktionsweise unserer Altersvorsorge. Diese Aufgabe wird nun aber zunehmend schwieriger, da mehr Lebensjahre nach der Pensionierung finanziert werden müssen. Tiefere Anlageerträge verschärfen die Problematik.

Vor allem beim Umlageverfahren der AHV, bei dem die Erwerbstätigen die aktuellen Rentenbeziehenden finanzieren, kommt die demografische Entwicklung als zusätzliche Schwierigkeit hinzu. Aufgrund dieser Herausforderungen bestimmen zahlreiche Reformvorhaben die öffentliche bzw. politische Debatte. Dazu gehören Diskussionen rund um das Rentenalter 65 für Frauen, Teilrentenbezüge, Änderungen betreffend Rentenaufschub und -vorbezug in der 1. Säule (AHV).

Bei den Pensionskassen wiederum wird über sinkende Umwandlungssätze und geänderte Sparbeiträge diskutiert. Mit dem Umwandlungssatz wird das Altersguthaben zum Zeitpunkt der Pensionierung in eine jährliche Rente umgerechnet. Dieser Prozentsatz ist bereits seit einigen Jahren rückläufig. Wird er in den kommenden Jahren weiter gesenkt, stellt sich manch eine versicherte Person die Frage nach einer Frühpensionierung.

Ein anschauliches Beispiel
Beispielhaft gehen die Vorsorgespezialisten der Schwyzer Kantonalbank (SZKB) von einem männlichen Versicherten, 62-jährig, aus, dessen Pensionskasse angekündigt hat, die Umwandlungssätze im Alter 65 ab dem nächsten Jahr in vier Schritten von gegenwärtig 6% auf 5.2% zu reduzieren. Wie empfehlenswert ist in diesem Fall eine Frühpensionierung?

Zunächst sollte der Versicherte abklären, ob die Pensionskasse oder sein Arbeitgeber Abfederungsmassnahmen beschlossen hat, welche die Senkung der Umwandlungssätze in einer ersten Phase zumindest teilweise kompensieren. Gerade für ältere und langjährige Mitarbeitende haben Arbeitgeber oftmals ein Interesse an solchen Massnahmen, um eine Welle von vorzeitigen Pensionierungen zu vermeiden.

Weitere Überlegungen und Vergleiche kommen hinzu: Die Frühpensionierung hat neben dem vermeintlichen Vorteil des besseren Umwandlungssatzes aber auch einen Lohnausfall zur Folge. Oftmals ist dieser finanziell viel gravierender als die Rentenreduktion. In diesem Fall reduziert sich der Umwandlungssatz von heute 5,64% per Alter 62 aufgrund der angekündigten Reduktion auf 5,4% per Alter 65 im Jahr 2023. Dies bedingt dafür einen Verzicht auf drei volle Jahresgehälter. Arbeitet der Versicherte bis Alter 65 weiter, steigt das Alterskapital in der Pensionskasse aufgrund der Sparbeiträge und Zinsen.

Eine Senkung des Umwandlungssatzes hat nur Auswirkungen auf einen Rentenbezug. Fällt die Entscheidung zugunsten eines Kapitalbezugs aus, hat diese Senkung keinen Einfluss auf das Alterskapital. Wird eine Mischform (Teilkapital und Rente) gewählt, wären die Auswirkungen entsprechend weniger gross.

Anstelle einer Frühpensionierung könnte auch eine Teilpensionierung geprüft werden. Bei der Teilpensionierung wird das Arbeitspensum reduziert, wobei der versicherte Lohn der Reduktion entsprechend angepasst wird. Daraus folgen tiefere Altersleistungen.

Auf den Zeitpunkt der Reduktion des Arbeitspensums werden zudem anteilsmässig Altersleistungen aus der Pensionskasse bezogen, die in der Regel der Pensumsreduktion entsprechen. Wird das Arbeitspensum beispielsweise von 100% auf 70% reduziert, können 30% der vorhandenen Altersleistung als Rente (zum noch höheren Umwandlungssatz) in Kapital- oder in einer Mischform bezogen werden.

Fachliche Begleitung empfohlen
Welche Variante auch immer gewählt wird - die Folgen sind vielfältig und wollen gut überlegt sein. Sind Pensionskasseneinkäufe sinnvoll, die zur Erhöhung der Altersleistungen und einer Steuerersparnis führen? Allenfalls bietet die Pensionskasse mit dem Arbeitgeber eine Überbrückungsrente an. Hier gilt es, genau abzuklären, wie diese finanziert wird.

Zudem wäre ab Alter 63 ein Vorbezug der AHV-Altersrente möglich, der aber zu einer lebenslänglichen Kürzung der Rente führen würde. Auch bei einer Frühpensionierung endet die AHV-Beitragspflicht erst mit Erreichen des AHV-Alters, die Höhe der AHV-Nichterwerbstätigenbeiträge bemisst sich nach der Höhe des Vermögens und Renteneinkommens.

Wir empfehlen grundsätzlich, die verschiedenen Fragestellungen mit einer Fachperson zu besprechen und sich allenfalls im Rahmen einer Pensionsplanung die Konsequenzen der jeweiligen Varianten aufzeigen zu lassen.

Tipp: Auf der Website der Schwyzer Kantonalbank lassen sich zu insgesamt 14 Vorsorgethemen Merkblätter bestellen, darunter auch zum Thema "Frühpensionierung".

 

 

 



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