GESUNDHEIT

Sport verjüngt Herz und Muskeln um Jahre

Fitness, Gesundheit, Ausdauer, 50PLUS

Ihr Herz merkt sich, was Sie all die Jahre getan haben (Foto: Kyle Johnson on Unsplash)

Sport ist nicht nur gut für unsere Muskeln, sondern auch für unser Herz. Wie verjüngend er sich auf uns auswirken kann, haben Sportwissenschaftler nun herausgefunden.

Die gesundheitliche Verfassung ist von vielen Faktoren abhängig, beispielsweise von regelmässiger, körperlicher Aktivität, schreibt Britta Sieling auf «Welt kompakt».

Bewegungsphysiologen der Ball State University im US-Bundesstaat Indiana bestätigen in ihrer aktuellen Studie, welche Bedeutung Sport bereits in jungen Jahren auf unsere spätere Gesundheit hat. Wer sich Jahr für Jahr bewegt, profitiert im Alter von einem verjüngten Herz-Kreislauf-System und Muskelaufbau.

Die Sportwissenschaftler untersuchten erstmals Menschen, die seit vielen Jahrzehnten regelmässig Sport trieben, und verglichen deren Werte mit zwei Kontrollgruppen. Für die Studie teilten sie die insgesamt 70 Studienteilnehmer in drei Gruppen ein.

Die Probanden der ersten Gruppe waren im Durchschnitt 75 Jahre alt und bereits ihr Leben lang vier bis sechs Tage pro Woche körperlich aktiv. Ihr Training fand hauptsächlich in Form von Radfahren oder Joggen statt und betrug insgesamt etwa sieben Stunden wöchentlich. 

Auch die zweite Gruppe bestand aus 75-Jährigen, allerdings waren diese wesentlich inaktiver und nahmen nur gelegentlich an Spaziergängen oder Golfspielen teil.

In der dritten Gruppe wurden zum Vergleich durchschnittlich 25-jährige Versuchspersonen untersucht, die mit der gleichen Häufigkeit und Dauer trainierten wie die erste Gruppe der aktiven 75-Jährigen.

Alle Probanden absolvierten unter Aufsicht der Sportwissenschaftler einen Sauerstofftest auf dem Fahrrad im Labor. Dabei wurde die maximale Sauerstoffaufnahme gemessen, also die Menge an Sauerstoff, die eine Person während intensiver Bewegung verwendet. 

Diese Angabe stellt einen wichtigen Indikator für die aerobe Ausdauer dar.

Darüber hinaus wurden erbsengrosse Proben des Muskelgewebes entnommen und dessen Verfassung im Labor untersucht. Ein besonderer Fokus lag auf den Kapillaren, durch die das Blut fliesst. 

Abschliessend interessierten sich die Bewegungsphysiologen noch für spezifische Enzyme im Körper der Probanden, die den arbeitenden Muskel versorgen und dabei helfen, Kohlenhydrate und Fette abzubauen.

Nach ausführlichen Analysen stiessen die Wissenschaftler auf ein überraschendes Ergebnis. Laut Bewegungsphysiologe Scott Trappe von der Ball State University in Indiana hatten die älteren Probanden, die ihr Leben lang viel Sport trieben, ein Herz-Kreislauf-System, das 30 Jahre jünger wirkte.

Die fitten 75-jährigen Männer und Frauen konnten also stolz behaupten, ein ähnliches Herz-Kreislauf-System wie 40- bis 45-Jährige zu besitzen. Dieses Resultat ist deswegen besonders bemerkenswert, da die Fähigkeit, Sauerstoff zu verarbeiten, bei einem Erwachsenen ab 30 Jahren um etwa zehn Prozent pro Jahrzehnt abnimmt. 

Das bringt normalerweise altersbedingte Konsequenzen mit sich, beispielsweise den Anstieg von chronischen Krankheiten und einer erhöhten Sterbewahrscheinlichkeit.

Bei Versuchsteilnehmern, die nur unregelmässig und sehr leichten Sport trieben, zeigte sich dieser Effekt dagegen nicht. Doch damit nicht genug. Die Muskelbefunde der Bewegungsphysiologen waren ebenso bedeutsam.

Obwohl selbst die Wissenschaftler überrascht waren, zeigte sich, dass die Muskeln der sportlichen 75-Jährigen ungefähr von gleicher Qualität wie die der aktiven 25-Jährigen waren.

Laut der Sportwissenschaftler ist es schon hilfreich für den Körper, 30 bis 45 Minuten pro Tag aktiv zu sein. Wer die Mittagspause dafür nutzt, einen zügigen Spaziergang zu machen, und mehrmals pro Woche Sport treibt, ist auch auf einem guten Weg.

Lesen Sie den ganzen «Welt kompakt»-Artikel hier.