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GEISTIGE FITNESS

Eine neue Sprache lernen? Yes, you can!

Sprachen lernt man in jedem Alter.

Im Alter Englisch pauken? Klingt verrückt, tut aber gut. Spätlerner vergessen zwar öfter Vokabeln, dafür haben sie andere Stärken: Zeit, Disziplin und Erfahrung, schreibt Katja Töpfer auf «senioren-ratgeber.de».

"The roses were so colourful", schwärmt eine Kursteilnehmerin von ihrer Gartenreise durch Südwales. Schnell ist das Thema für die kommenden 90 Minuten gefunden - Flora und Fauna und ganz viele neue Vokabeln für Gartenliebhaber.

"The lilac in my schrebergarden is blooming", erzählt eine andere, und ein Dritter beschreibt, worauf er beim Beschneiden seiner Appletrees achtet. "What does Kugelbuxbaum mean in English?" Bei dieser Frage eines älteren Herrn muss die Englischlehrerin kurz überlegen.

"I think Buxbaum is Buxbaum. Easy!" Jeden Mittwoch trifft sich die Seniorengruppe in der Münchner Volkshochschule (vhs), um miteinander Englisch zu sprechen, sich spielerisch neue Vokabeln zu erarbeiten und nebenbei grammatikalische Fragen zu klären.

Die Seniorenrunde an der Münchner vhs ist hier keine Ausnahme. Viele Deutsche entscheiden sich dafür, im Rentenalter eine Fremdsprache zu lernen. Eine Auswertung der Teilnehmerzahlen an Volkshochschulen zeigt, dass 20 Prozent der Kursteilnehmer in Sprachkursen zwischen 50 und 64 Jahre alt sind, etwa sieben Prozent sind 65 Jahre und älter.

Was macht dieses Hobby unter Älteren so beliebt? Diese Frage stellte die Sprachlehrforscherin Annette Berndt von der Technischen Universität Dresden Senioren, die sich für einen Sprachkurs angemeldet hatten. Dabei zeigte sich, dass Spätlerner sehr ähnliche Motive antreiben. Vielen war es wichtig, im Alltag eine sinnvolle Aufgabe zu haben. Andere träumten schon als Kind davon, eine Fremdsprache zu lernen, hatten aber keinen Unterricht in der Schule. Auch der Wunsch zu reisen war für viele Spätlerner eine Triebfeder.

Das Lernen einer neuen Sprache fasziniert Hirnforscher und Lernpsychologen, denn es fordert all unsere Sinne. Wir müssen denken, die richtigen Laute mit dem Mund formen, uns in unser Gegenüber hineinversetzen - und das alles gleichzeitig. "Das Lernen einer Sprache ist neben dem Musizieren die komplexeste Hirnaktivität überhaupt", sagt Dr. Björn Schott vom Leibniz-Institut in Magdeburg.

Der Hirnforscher untersucht, was in unserem Gehirn passiert, wenn wir etwas lernen. Lange Zeit trauten Hirnforscher älteren Menschen in Sachen Lernen wenig zu. Nach der Pubertät sei das Gehirn fertig verdrahtet, danach würde das Lernen nicht mehr so gut funktionieren, besagte ihre Theorie. Heute weiss man, dass das ein Irrtum war.

Unser Gehirn will und kann immer lernen, egal wie alt wir sind. Das zeigen auch die Forschungsergebnisse von Arne May. Der Hamburger Neurowissenschaftler ließ für sein Experiment 24 Frauen und 20 Männer im Alter zwischen 50 und 67 Jahren drei Monate lang das Jonglieren üben. Das Ergebnis: Die Senioren lernten die Ballkunststücke ähnlich gut wie Jüngere, sie brauchten nur etwas länger dazu.

Vor und nach dem Training machte May computertomografische Aufnahmen von den Gehirnen der Testpersonen. Dabei stellte er fest, dass der sogenannte Hippocampus gewachsen war, jener Teil des Gehirns, der für das Lernen zuständig ist. Auch wenn es etwas länger dauert, bis die Vokabeln sitzen, hat Inge nicht bereut, sich für einen Spanischkurs angemeldet zu haben.

"Das hält meinen Geist fit", ist sie überzeugt. Tatsächlich zeigen Studien, dass Menschen, die eine Fremdsprache beherrschen, seltener an Demenz erkranken als Menschen, die nur ihre Muttersprache sprechen. Die gute Nachricht: Es ist nicht zu spät, mit dem Lernen zu beginnen. Hirnforscher Schott rät Spätlernern, eine Sprache zu wählen, die ihnen nicht völlig fremd ist.

Wer als Kind etwas Englisch gelernt hat, knüpft im Alter leichter daran an. Wer früher die Ferien häufig in Frankreich verbrachte, hat noch ein paar Sätze parat und erinnert sich schnell. Vom Wunsch nach Perfektionismus sollte man sich jedoch verabschieden. Bestimmte Dinge kann man im Alter nicht mehr perfekt lernen, etwa die Aussprache: Die Fähigkeit, eine Sprache akzentfrei zu sprechen, verlieren wir schon im Grundschulalter.

Auch grammatikalische Regeln können wir als Erwachsene nicht mehr so leicht verinnerlichen. Darauf kommt es auch nicht an. "Zuerst hatte ich ein wenig Hemmungen. Dann habe ich einfach drauflosgeredet", erzählt die Wales-Reisende. Dass ihr dabei auch Fehler unterliefen, war eher lustig als peinlich für die Seniorin. "Einmal habe ich zum Frühstück versehentlich garbage (Müll) statt oat flakes (Haferflocken) bestellt."