Gesund bleiben bis ins hohe Alter

Gesund bleiben bis ins hohe Alter
Auch er träumt davon: Ein Leben ohne Krankheiten.
Das in den USA heiss diskutierte Fachbuch «Leben ohne Krankheit» provoziert, schreibt Wissenschaftsredaktorin Andrea Trueb im «Blick am Abend».

Können wir bis ins hohe Alter fit und gesund bleiben? "Ja, wir können", sagt David B. Agus. Der renommierte US-Onkologe verspricht viel - und provoziert nicht weniger.

Sein Buch "The End of Illness" war und ist in den USA ein Bestseller. Neu ist der Ratgeber auf Deutsch erhältlich. In einer Zeit, wo nicht zuletzt im Internet täglich eine neue Wahrheit verkündet wird, kommt ein Buch, das ein Leben ohne Krankheit verspricht, geschrieben von einem ausgewiesenen Krebs-Experten, mehr als recht.

Wer den Einstieg in den dicken Wälzer wagt, wird allerdings schon bald einmal verunsichert. Eine der ersten wichtigen Botschaften von Agus ist nämlich der Rat, dem Arzt mit sehr viel Misstrauen zu begegnen. Hätte der ehemalige Profi-Radfahrer Lance Armstrong nicht selber recherchiert und die neusten Studien studiert, so sein Fazit, wäre er seinem Krebsleiden erlegen.

"Studieren Sie Fachliteratur und informieren Sie sich über die neusten Forschungsergebnisse", fordert Agus - und macht damit vermutlich nicht nur den Patienten, sondern auch dessen Arzt ziemlich nervös. Diesen Arzt, so rät der Onkologe weiter, solle man ungeniert fragen, wie er sich fachlich auf dem Laufenden hält: "Er sollte idealerweise stets über die neuste Literatur und Technologie Bescheid wissen."

Agus empfiehlt, sich im Voraus genau zu überlegen, welche Fragen man seinem Arzt stellen möchte. Zudem soll man sämtliche rezeptpflichtigen und rezeptfreien Medikamente, Vitamine und Nahrungsergänzungsmittel auf einen Zettel schreiben und diesen mit in die Sprechstunde bringen. Denn: Mögliche Untersuchungen bzw. deren Resultate könnten dadurch beeinflusst werden.

Agus geht noch einen Schritt weiter. Unter dem Stichwort "Vorsorgelandschaft" führt er auf, welche Tests man vom Arzt verlangen sollte (Lipid-Profil im nüchternen Zustand, Test auf C-reaktives Protein, umfassende Untersuchung des Stoffwechsels, kleines Blutbild, Schilddrüsenhormontest, Hämoglobin-A1c-Test, Männer: PSA-Test).

Ausserdem rät der bekennende Technik-Freak jedem, einen Gen-Test zu machen, um sein persönliches Risikoprofil zu kennen: "Prävention und Frühdiagnose sind zentral." Nicht zuletzt provoziert Agus aber mit seinem Rat, dass jeder mit seinem Arzt die dauerhafte Einnahme von Aspirin und Statinen besprechen sollte.

Dahinter steht seine Überzeugung, dass unterschwellige Entzündungen im Körper die Quelle fast allen Übels sind, wie zum Beispiel von Herzinfarkten und Krebs. Die Einnahme von Statinen empfiehlt Agus dann auch nicht, um den Cholesterinspiegel zu senken, sondern weil sich gezeigt hat, dass das Medikament Entzündungen wirksam bekämpft.

Laut Studien ändern sich die Herzinfarktraten nicht, wenn ein Medikament zwar den Cholesterinspiegel senkt, die Entzündungen im Körper aber nicht bekämpft.

Agus zweite Empfehlung: Die Einnahme einer täglichen Dosis Aspirin (mindestens 75 mg). Das Fazit zahlreicher Studien: Aspirin senkt das Risiko an bestimmten Krebsarten zu erkranken massiv. Agus räumt ein, dass sowohl die Einnahme von Statinen als auch von Aspirin mit Risiken verbunden ist.

Aspirin kann beispielsweise zu Magenblutungen führen. Deshalb muss die Einnahme mit einem Arzt besprochen werden. Dieser muss im Wissen um das Risikoprofil seines Patienten Vor- und Nachteile abwägen. Was - wie der Rest des Buches - das Leben des Patienten bestimmt nicht einfacher, vielleicht aber gesünder macht.

Gut zu wissen: Krebs ist nur das Symptom. Viren und Bakterien dringen von aussen in unseren Körper ein. Medikamente und Impfungen töten den Fremdkörper in der Regel zuverlässig. Krebs aber kommt von innen, "Wir machen Krebs", sagt der Onkologe David B. Agus dazu.

Viel zu lange habe die Medizin auf dem bewährten Prinzip "Erreger erkennen und vernichten" verharrt. Man habe verkannt, dass es sich bei Krebs um ein Problem des Systems handelt, eine Fehlfunktion des Körpers, die nicht unbedingt durch Chirurgie oder Gift gelöst werden kann. 

"Wenn wir einen Klumpen von Zellen sehen, die sich in einem Körperteil unkontrollierbar zu teilen beginnen, nennen wir diesen Klumpen Krebs. Aber das beschreibt nicht den eigentlichen Schaden, sondern nur eines seiner Symptome." Es komme vielmehr darauf an, das System als Ganzes zu pflegen und zu schützen. Agus: "Vielleicht gelingt es uns nie, Krankheiten wie Krebs wirklich zu verstehen und zu heilen. Deshalb ist zielgerichtete Vorsorge so wichtig."

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