50PLUS – AUTO

Das ändert am nächsten Freitag für Senioren

Neue Regeln für 70plus.

Auf den 1. Juli ändert der Bundesrat die Bestimmungen für ältere Autolenker. Bald soll auch die Altersgrenze für die Überprüfung der Fahrtauglichkeit von 70 auf 75 Jahre steigen – wann ist noch unklar. Es gilt also nach wie vor das Mindestalter 70 für diese Untersuchungen, schreibt Robert Bösiger auf „Blick.ch“.

Viele rüstige Rentner empfinden es als Schikane: Wer in der Schweiz im höheren Alter noch Autofahren will, muss seine Fahreignung regelmässig überprüfen lassen.

Bisher mussten alle über 70-Jährigen, die einen Führerausweis besitzen, zum ärztlichen Check. Und dies alle zwei Jahre. Allein im Kanton Zürich betrifft das jährlich über 40'000 Seniorinnen und Senioren.

Der Arzt prüft Sehschärfe, Gesichtsfeld, Hörvermögen und den allgemeinen Gesundheitszustand. In den Nachbarländern gibt es keine derartigen Kontrolluntersuchungen. Dort gilt nur die Eigenverantwortung.

Auf den kommenden 1. Juli hat der Bundesrat die Mindestanforderungen an Fahrzeuglenkende nun leicht angepasst. Statt das "Billett" grad ganz zu verlieren, kann es neu auch Beschränkungen geben.

Zum Beispiel kann der Ausweis nur noch für bestimmte Strecken oder Regionen gültig sein. Möglich sind auch Beschränkungen bezüglich der Höchstgeschwindigkeit oder der Strassen (zum Beispiel keine Autobahnen mehr).

Dazu kommt: Verkehrsmedizinische und psychologische Fahreignungsabklärungen dürfen nur noch Ärzte und Psychologen durchführen, die entsprechend ausgebildet sind und sich regelmässig fortbilden.

In der abgelaufenen Sommersession hat das Parlament beschlossen, das Mindestalter für medizinische Untersuchungen von heute 70 auf 75 Jahre zu erhöhen. Noch ist nicht klar, wann diese Änderung in Kraft tritt.

Vorher muss noch das Gesetz entsprechend angepasst werden. Es gilt also nach wie vor das Mindestalter 70 für diese Untersuchungen. Diese Seniorentests haben ihre guten Gründe.

"Schwer verletzt: Autofahrer (77) prallt frontal in einen Baum"; "Rentner fährt in Tunnelwand"; "Rentner rast in Stauende" - Schlagzeilen dieser Art sind oft zu lesen. Und sie könnten sich häufen.

Der demografische Wandel führt dazu, dass der Anteil der Menschen über 65 von heute knapp 18 auf 26 Prozent steigt - allein innerhalb der nächsten zwei Jahrzehnte. Damit wird auch der Anteil jener Ü65, die noch hinter dem Steuer eines Autos sitzen, weiter ansteigen.

Die Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu) warnt: Die Unfallzahlen von Senioren als Lenker im motorisierten Individualverkehr könnten bis 2030 um den Faktor 2 bis 3 ansteigen.

Bereits heute bereiten folgende Fakten Sorgen: Unfälle der älteren Autolenker machen in der Schweiz über 13?Prozent des gesamten tödlichen Unfallgeschehens aus. Die Anzahl der Getöteten ist bei den älteren Lenkern mehr als doppelt so hoch als bei den übrigen Unfallbeteiligten.

Mit zunehmendem Alter der ­Lenker nimmt der Anteil selbst verschuldeter Unfälle zu. Für viele Senioren bedeutet das ­Autofahren Freiheit, Unabhängigkeit und Lebensqualität. Darauf möchten sie nur ungern verzichten.

Heute besitzen 95 Prozent der Männer bis 70 Jahre einen Ausweis, danach sinkt der Anteil zaghaft; noch jeder dritte 90-Jährige hat einen Führerschein. Bei den Frauen verläuft die Kurve auf tieferem Niveau ziemlich parallel - mit dem Unterschied, dass Frauen ab 65 eher freiwillig auf den Führerausweis verzichten.

Die Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu) ortet das Problem vor allem bei den Senioren über 75, "die über sehr geringe Fahrleistungen verfügen". Verschiedene Organisationen bieten Auffrischungskurse für Rentner an.

Seit vielen Jahren zum Beispiel die TCS-Sektion Waadtland. "Der Halbtageskurs ist sehr beliebt und ständig ausgebucht", sagt TCS-Mediensprecher Daniel Graf. Solche Kurse sollen das Selbstvertrauen der Verkehrsteilnehmer stärken und letztlich für mehr Sicherheit sorgen.