50PLUS – VERKEHR

Nicht jeder Arzt darf begutachten

Nicht jeder Arzt darf die Fahrtauglichkeit eines 75-Jährigen bescheinigen.

Ärzte, die künftig die Fahreignung von Senioren untersuchen wollen, müssen über spezielle Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen, die in der revidierten Verkehrszulassungsverordnung aufgelistet sind, schreibt «tagesanzeiger.ch».

Zum Beispiel müssen sie die entsprechenden Rechtsgrundlagen und bürokratischen Abläufe kennen. Oder beurteilen können, ob ein Patient trotz altersbedingter Defizite noch sicher Auto fahren kann. Dieses Wissen müssen sie aber nicht belegen, ja nicht einmal einen Kurs besuchen.

Es genügt, wenn sie auf einer Website per Mausklick bestätigen, dass sie sich die notwendigen Kenntnisse selber angeeignet haben. Dafür haben sie bis Ende 2017 Zeit. Nach der Registrierung müssen sie bis zum Höchstalter 70 alle fünf Jahre bestätigen, dass ihr Fachwissen auf dem neusten Stand ist - ebenfalls mit einem Klick.

Diese Selbstdeklaration stösst in Fachkreisen auf Kritik. "Wir hätten uns eine obligatorische Weiterbildung für die Hausärzte gewünscht, damit alle auf demselben Stand sind", sagt Uwe Ewert von der Beratungsstelle für Unfallverhütung.

Rolf Seeger vom Rechtsmedizinischen Institut (IRM) der Uni Zürich bedauert, "dass der ursprünglich geplante eintägige Kurs auf Druck des Hausärzteverbands in letzter Minute aus der Vorlage gestrichen wurde". Nun bietet die Schweizerische Gesellschaft für Rechtsmedizin einen freiwilligen Kurs an.

Wer als Arzt periodische Kontrolluntersuchungen bei Seniorinnen und Senioren durchführen darf, fällt in die Ausbildungsstufe 1 des neuen Systems. Daneben gibt es drei höhere Stufen. Die Stufen 2 und 3 sind für Ärzte vorgesehen, die Berufschauffeure respektive körperbehinderte Personen untersuchen.

Hier ist eine Fortbildung Pflicht. Gleiches gilt für Stufe 4. Diese Ärzte benötigen einen Facharzttitel als Verkehrsmediziner und klären auch schwierige Fälle mit Suchtproblematik oder komplexen Erkrankungen ab. Und wichtig: Nur Verkehrsmediziner dürfen Führerausweise mit Beschränkungen beantragen, nicht der Hausarzt.

Neu steht Ärzten der untersten beiden Stufen die Möglichkeit offen, statt einen Entscheid zu fällen, eine Zweituntersuchung durch einen Arzt der Stufe 3 oder 4 zu empfehlen, wenn sie sich unsicher sind. Im Kanton Zürich ist dafür vor allem das Rechtsmedizinische Institut zuständig.

Für Hausärzte, die oftmals unter Druck von langjährigen Patienten stehen, hat das den Vorteil, dass sie die Verantwortung dorthin delegieren können. Hat auch das Institut Zweifel, kann es vor seinem Urteil eine ärztlich begleitete Kontrollfahrt anordnen. Den definitiven Entscheid fällt in jedem Fall das Strassenverkehrsamt, das sich aber in aller Regel an die Beurteilung der Ärzte hält.