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OPA-KOLUMNE

Flieg, Opa, flieg

Helikopter trifft auf Drohne – bitte anschnallen!

Pädagogik und Aviatik sind auf seltsame Weise miteinander verbunden – wahrscheinlich, weil in beiden Welten Fehler schlimme Folgen haben können. Sie kennen sicher den Begriff der Helikoptereltern.

Dieser wurde 1990 von den US-Psychiatern Foster W. Cline und Jim Fay erfunden und zielt auf Mütter und Väter, die ihren Kleinen ständig um die Ohren schwirren - und diesen dadurch jeglichen Raum zur Selbstverwirklichung nehmen.

Und unter Rabeneltern versteht man seit nunmehr über 700 Jahren Menschen, die ihre Kinder nicht vorbehaltlos lieben oder diese gar vernachlässigen. Auch sie sorgen in den Kinderzimmern für allerlei Unheil, und auch sie kommen von oben - so wie vieles andere Böse.

Durch den pädagogischen Luftraum kreuzen aber auch Flugobjekte, die Erziehung und Aviatik weit positiver zusammenbringen. Ich rede von Drohnen-Omas und Opas, die still und leise von A nach B sausen und nach getaner Arbeit wieder von B nach A.

So wie Paketdrohnen, die die Schweizer Post vergangenes Jahr getestet hat. Sie haben noch nie von Drohnen-Opas gehört? Dann ist es höchste Zeit, dass ich sie Ihnen näherbringe.

Denn sollten Sie selber Enkel haben, sind Sie wahrscheinlich sogar Teil dieses Geschwaders. Also: Wie alle Drohnen werden auch Drohnen-Opas und -Omas ferngesteuert, irgend eine(r) drückt auf den Startknopf und bringt sie in Schwung.

Das passiert meist mit einem Telefonanruf oder einer Not-SMS: "Duuu, ich muss heute unvorhergesehen weg, kannst Du allenfalls auf meine Kleinen schauen. ICH FINDE NIEMANDEN!!!"

Natürlich können Drohnen-Opas fast immer, also schwirren sie los und bekommen, kaum haben sie das Ziel erreicht, genauere Anweisungen, damit sie sich im Universum der Pädagogik nicht unnötig verfliegen: "Nicht zu viel Süsses." - "Bitte nicht zu lange an der prallen Sonne spielen." - "Nur zwei Stunden Mittagsschlaf."

Darüber hinaus bekommen sie allerlei Knabberwaren, Knuddeltierchen und anderen Kinderkram mit auf den Weg. Schliesslich soll es den Kindern, die Drohnen-Opas zu umsorgen haben, in den zwei Stunden am Sandkastenrand an nichts fehlen - abgesehen von der elterlichen Liebe.

"Und gell, falls es gar nicht geht: bitte anrufen." In solchen Momenten geht leicht vergessen, dass die meisten Grosseltern selber auch mal Eltern waren - und dass sie ihre Kinder mehr oder minder heil durch die Kinderjahre brachten.

Doch wer es wagt, darauf zu hinzuweisen oder sich gar gegen das Logbuch zu stemmen, gerät leicht in Turbulenzen - dann ist fertig lustig, und es kommt schnell zu dem, was sich im Januar dieses Jahres über dem Verzasca-Staudamm ereignet hat.

Drohne prallt gegen Helikopter - ein Drama. Nein, wir Opas und Omas sind dazu da, Eigensinn ins Leben unserer Lieben zu tragen - dafür dürfen wir sie im Alltag unterstützen. Denn das Leben junger Familien ist oft schon kompliziert genug, für Motzereien der Zugewandten bleibt entsprechend wenig Platz.

Weshalb viele Omas Opas ihre Erziehungsfragen erst gar nicht stellen - und wenn, dann ausserhalb der Familie, etwa bei Freunden oder bei Altersgenossinnen und -genossen, denen es gleich ergeht. Doch um Reinhard Mey zu zitieren, über den Wolken ist die Freiheit grenzenlos.

Werden Sie demnächst wieder mit ganz vielen Ratschlägen auf Rettungsflug geschickt: Lächeln Sie, hören Sie geduldig zu und tun später das, was Ihnen sinnvoll erscheint - auch wenn es das Gegenteil ist, was man von Ihnen verlangt. Still und leise, wie es sich für Drohnen gehört.

"Alter schützt vor Liebe nicht - aber Liebe vor dem Alter", sagte einst Coco Chanel. Roland Grüter (57), zählt die Liebe zu seinen vier Enkeln mit dazu. Er ist freischaffender Journalist, Mitinhaber der Content-Agentur Chefredaktion GmbH mit Sitz in Zürich und lebt mit seinem Partner in einer wilden Patchworkfamile. Seine Opa-Kolumne erscheint zweimal monatlich.