Zusammen wohnen mit den neuen Genossen

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Viele Senioren wünschen sich eine Genossenschaftswohnung auf dem Land.
Wohnbaugenossenschaften bauen vermehrt auf dem Land - die Projekte sind bei Senioren gefragt, schreibt Cornelia Krause in der "Sonntagszeitung".

Bezahlbarer Wohnraum, gute Standards und zuverlässige Verwaltungen - Genossenschaftswohnungen sind heiss begehrte Mangelware in den Städten. Nun stösst der genossenschaftliche Wohnungsbau vermehrt in ländliche Regionen vor und spezialisiert sich auf eine bestimmte Klientel: die Senioren.

"Wir beobachten immer mehr Genossenschaftsgründungen auf dem Land mit dem Ziel, Alterswohnungen zu errichten", sagt Rebecca Omoregie, Sprecherin vom Verband Wohnbaugenossenschaften Schweiz. Seit 2008 stiegen die Finanzierungsgesuche für Neubauprojekte beim Verband Jahr für Jahr an.

Insgesamt wurden seitdem rund 30 Projekte in Landgemeinden mit Darlehen unterstützt - die meisten davon für Senioren. Auch das Beratungsangebot wird häufiger genutzt. Führte der Verband 2008 nur 35 Beratungen durch, waren es 2012 bereits doppelt so viele.

Omoregie führt den Trend auf die demografische Entwicklung zurück, für die auf dem Land passende Wohnmodelle fehlen, und auf den Imagewandel der Genossenschaften. Sie schüttelten zunehmend das Bild des sozialen Wohnungsbaus ab, der Wandel sei auch bei der älteren Bevölkerung angekommen, sagt Omoregie.

Dass in vielen Gemeinden Bedarf besteht, bestätigt eine Immobilienstudie der ZKB für den Kanton Zürich. Spezielle Angebote für Ältere gebe es nur in den Ballungszentren, in und um Zürich, Winterthur und am rechten Zürichseeufer, heisst es. Jedoch nicht dort, wo die meisten Senioren in grossen Einfamilienhäusern wohnten.

Dabei seien die Rentner durchaus für einen Umzug zu gewinnen. Allerdings legten die Senioren hohe Ansprüche an den Tag: Es brauche gut bis exklusiv ausgestattete Wohnungen. Landesweit wird diesen Sommer eine Reihe von Genossenschaftsprojekten für Senioren abgeschlossen, eines davon im Kanton Glarus: Franz Landolt gehört zu den Pionieren im Bereich des genossenschaftlichen Alterswohnungsbau.

Seit 1992 hat die Genossenschaft Alterswohnungen Linth 121 Wohnungen errichtet. Den neuesten Bau bezogen Bewohner im Juni, die Nettomieten für die 60 bis 100 quadratmetergrossen Wohnungen liegen zwischen 800 und 1400 Franken. Rollstuhlgängige Wohnungen, Dusche statt Badewanne, Lift, Gemeinschaftsräume und ein Café für die Bewohner, Verwaltungsratspräsident Landolt zählt die Vorzüge des mitten im Dorf gelegenen Wohnkomplexes auf.

Die Bewohner ziehen im Schnitt mit 70 Jahren ein und bleiben. "Freiwillig geht bei uns keiner raus", sagt Landolt. Im ersten Haus, Anfang der 90er-Jahre erbaut, liegt der Altersdurchschnitt mittlerweile bei 90 Jahren. Meist wohnten die Senioren vor dem Einzug in grossen Häusern und Eigentumswohnungen.

"Diese Immobilien werden dann wieder frei, etwa für junge Familien, die sich um Garten und das Haus kümmern können." Die Bevölkerung meldete an, dass ein Bedürfnis für Alterswohnungen bestehe. Die Gemeinde selbst sei von dem Projekt jedoch nicht begeistert gewesen, sie habe Konkurrenz zum eigenen Altersheim gefürchtet, sagt Landolt.

Das Vorhaben wurde schliesslich privat realisiert. In Flums SG engagierte sich dagegen die Gemeinde, indem sie einer neu gegründeten Genossenschaft Baugrund gegen Anteile zur Verfügung stellte. Der ehemalige Gemeindepräsident Vincent John trieb das Projekt der Wohnbaugenossenschaft Guscha voran.

Auch in Flums lebten viele Senioren in grossen Häusern und wünschten sich mehr Nähe zum Dorf. Das 2012 erbaute Haus mit 18 Zweieinhalb- und Dreieinhalb-Zimmer-Wohnungen steht rund 100 Meter von einem Ärztezentrum, der Spitex und dem Supermarkt entfernt.

Mit dem Altersheim besteht eine Kooperation, die Senioren können dort essen. John erklärt den Trend zu Alterswohnungen damit, dass auf dem Land grundsätzlich ein Mangel an kleineren Wohnungen für ältere Menschen bestehe. Privat gebaute Wohnungen würden meist verkauft und nicht vermietet.

"Der Bedarf in Flums ist noch immer nicht gedeckt." Der ehemalige Gemeindepräsident plant daher weitere Alters- und Familienwohnungen. Er führt schon eine Warteliste. Auch für andere Gemeinden ist er Ansprechpartner. Unter anderem liessen sich Initianten von Alterswohnungen aus Bad Ragaz das Projekt zeigen.

Im Glarnerland ist auch Landolts Mission noch nicht beendet. Nahe gelegene Gemeinden fragten an, ob die Genossenschaft ähnliche Projekte nicht auch bei ihnen realisieren wolle.

www.sonntagszeitung.ch

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