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ARBEIT

Arbeitssuche über 50 - Besserung in Sicht?


Arbeitsverlust ist kein einfaches Thema - im Alter umso weniger. Technologie und Unternehmertum könnten aber bald Abhilfe schaffen.

(Dr.) Edoardo Beretta 

Manchmal ist das Leben voller Widersprüche. In Wirtschaftssachen ließe sich das Beispiel der herrschenden Arbeitsmarktlogik, die einerseits Flexibilität und Dynamik seitens der Beschäftigten fordert. Andererseits haben postmoderne Gesellschaften gegen das Altern ihrer Bevölkerung zu kämpfen, das im krassen Gegensatz zum Wunsch „ewig junger Arbeitskraft“ steht. Wenn es sich damit in Sachen Widersprüchlichkeit bewenden ließe, wäre die Analyse des Problems unvollständig. 

Denn Fakt ist, dass es trotz zunehmenden Rentenalters und mehr Berufsjahre in höherem Alter ein heikles Unterfangen bleibt, ab einem gewissen Lebensjahr (z. B. um die Fünfziger) einen Arbeitsplatz wiederzufinden. Die Antwort auf das Warum mag sich jeglicher Logik zu widersetzen: wo von jüngeren Mitarbeitern am Arbeitsplatz eingebrachte Dynamik fehlen würde, könnte doch Erfahrung herhalten. Die Dramatik der Lage, mit der ältere Arbeitssuchende konfrontiert sind, ist dennoch (insbesondere in kriselnden Ländern) längst da. Selbst wenn statistische Daten das Überwiegen von Jugendarbeitslosigkeit hervorheben, steckt das Problem bei älteren Fachkräften vorerst (nämlich bis Rentenalterserhöhungen bis 64,6 Jahre (2050) im OECD-Durchschnitt greifen werden) in Kinderschuhen.  

Aber welche Lösungen lassen sich zumindest erwägen? Die Thematik ist natürlich dermaßen komplex, dass es keinen Allzweckansatz geben kann. Im Allgemeinen ist es aber wahr, dass der eigentliche Kern im radikalen Mentalitätswechsel seitens des Arbeitsmarkts liegen würde: bis er sich durchgesetzt haben wird, könnte dennoch viel Zeit vergangen sein (während die Temperatur des Problems weiterhin akut bleiben würde). Schnell eingreifende Lösungen sind also unverzichtbar, um die drohende Sklerotisierung der Arbeitslosigkeit unter reiferen Fachkräften zu entschleunigen. Genau betrachtet haben Arbeitssuchende schon Schwierigkeiten dabei, die zu ihrem Profil passenden Anzeigen zu finden: bei den wenigen, die beispielsweise eine erwünschte Altersangabe aufweisen, liegt diese meistens unterhalb der Fünfziger (oder geschweige denn Sechziger). Zwei Szenarien bieten sich zur Beantwortung des Warums an: entweder suchen Arbeitgeber kaum reifere Belegschaft oder für sie passende Annoncen lassen sich nicht einfach finden oder von den gesuchten Standardprofilen unterscheiden. Im ersten Fall kann nur ein systematisch reformierter Ansatz herhalten, nach dem Erfahrung (im Alter) auch eine Rolle spielt, während im zweiten Fallbeispiel eine innovative, aber zugleich praxisorientierte Lösung notwendig ist. Unter allen IT-Innovationen, Start-ups hat bislang kein Unternehmer oder Visionär je an der Idee gebastelt, eine (zunächst lokale, später sogar internationale) Internetplattform zu schaffen, die:

- einerseits alle Jobangebote spezifisch für  ältere Arbeitslosenkräfte aus dem Netz herausfiltern würde,

- andererseits sich als direkten Treffpunkt zwischen Angebot und Nachfrage gestalten sollte. Unternehmen könnten beispielsweise für diese Zielgruppe vorgesehene Arbeitsofferten über dieses neue Medium bekannt machen, während Fachkräfte die Adresse eines „sicheren Hafens“ kennen würden, der ihnen bei der (ohnehin schweren) Arbeitssuche zu Hilfe kommen würde.

Dass ein solches Vorhaben im Zeitalter von ausgeklügelten Suchmaschinen sowie Tauschbörsen leicht umgesetzt werden könnte, ist Fakt. Aber wie würde es um die Erfolgschancen bestellt sein? Wenn man bedenkt, dass das Rentenalter in den allermeisten OECD-Ländern zunehmend steigt, können keine Zweifel zur potenziellen „Langlebigkeit“ des anvisierten Zielpublikums bestehen: ältere Arbeitssuchende werden also immer mehr zum Alltag gehören. Eine solche Matchingplattform zwischen Arbeitsangebot und -nachfrage könnte selbst von der öffentlichen Hand gefördert werden, die bei der Arbeitsbeschaffung im Falle älterer Langzeitarbeitsloser immer wieder mit den obigen Schwierigkeiten konfrontiert wird. Jedenfalls ließe sich das Projekt schon durch die Einnahmen aus Werbung und Gebühren finanzieren, die Unternehmen im Falle der exklusiven Schaltung ihres Jobangebots auf der Internetplattform zu zahlen hätten. Das Endergebnis könnte allerdings jede involvierte Partei zufriedenstellen:

- der Politik würde bei der Bewältigung des Arbeitslosenproblems auch bei älteren Arbeitskräften tatkräftig geholfen;

- reifere Arbeitssuchende, die als Fünfzigjährige eine Anstellung wiederzufinden hätten, wären nicht mehr auf sich gestellt;

- Unternehmen würden bei der Suche nach passenden Mitarbeitern effektiver vorgehen (und dadurch Mehrkosten und -bemühungen einsparen).

Damit würde man auch einen (längst überfälligen) Mentalitätswechsel auf Arbeitgeberseite anregen und die Öffentlichkeit endlich dem Problem gegenüberstellen. Nun bleibt zu sehen, welcher Visionär sich die Herausforderung zutrauen wird. Das Medieninteresse wäre ihm jedenfalls allemal sicher.

Dr. sc. ec. (PhD) Edoardo Beretta 
 


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