Bewegen Sie sich – Gehirn und Glück zuliebe!

Bewegen Sie sich – Gehirn und Glück zuliebe!
Wieviel haben Sie sich die letzten Tage bewegt? (Bild iStock)
Wenig hilft der Fitness des Gehirns so sehr wie regelmässige Bewegung, schreibt unsere Kolumnistin, die Neuropsychologin Dr. Barbara Studer.

Wieviel haben Sie sich die letzten Tage bewegt? Wir hören es immer wieder und wissen wohl alle, dass Bewegung wichtig und notwendig ist für die Gesundheit. Und trotzdem bewegen sich ca. 30 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer zu wenig, gerade auch in kalten Jahreszeiten. Zu wenig heisst, weniger als die von der WHO empfohlenen mindestens 20 Minuten Bewegung pro Tag. Gehörn Sie auch dazu, oder sind Sie viel in Bewegung?

In Bewegung zu sein, ist nicht nur für die Körpergesundheit, sondern genauso für die Hirngesundheit ausschlaggebend. Mit anderen Worten, regelmässige Bewegung ist Hirnfitness pur und Demenzprävention vom Besten! Gerne gebe ich Ihnen hier ein paar Beispiele, was Bewegung im Gehirn bewirkt und wie sie die Leistungsfähigkeit und das Wohlergehen beeinflusst.

Man würde es nicht denken, aber unser kleines Organ namens Gehirn, das gerade mal ca. 2 Prozent unseres Körpervolumens ausmacht, benötigt ca. 20 Prozent des vom Körper aufgenommenen Sauerstoffs! Somit ist das Gehirn auf ausreichend Sauerstoff im Blut angewiesen, um gut zu funktionieren. Bewegung kurbelt die Durchblutung im Gehirn an und fördert damit die kognitiven Prozesse. So steht Bewegung in einem direkt messbaren Zusammenhang mit der Konzentrations- und Merkleistung. Auch der Umkehrschluss gilt: Bewegen wir uns zu wenig, wird die neuronale Kommunikation träger und langsamer, was dazu führt, dass uns das flexible Denken, die Konzentration und das Lernen schwerer fällt.

So konnte in verschiedenen Forschungsstudien gezeigt werden, dass Personen besser abschnitten im anschliessenden Lerntest, wenn sie während des Lernens von neuen Informationen (etwa Vokabeln einer fremden Sprache) auf einem Laufband oder Hometrainer trainierten. Warum also nicht etwas mehr Bewegung in den Alltag integrieren, zum Beispiel wenn wir fernsehen oder Radio hören? Damit schlagen wir zwei Fliegen auf einen Schlag: Wir tun unserem Körper und Gehirn etwas Gutes und können gleichzeitig mehr von dem aufnehmen, was wir sehen oder hören.

Bewegung bewirkt aber noch viel mehr im Kopf, als nur einen erhöhten Sauerstoffgehalt im Blut. Sie verändert auch den Hormonhaushalt, indem Botenstoffe, u.a. das «Glückshormon» Dopamin, ausgeschüttet werden. Davon profitieren wir einerseits in Bezug auf unsere Denkfähigkeit und andererseits in Bezug auf unsere Motivation und unsere Stimmung. Bewegung stärkt somit auch unser Wohlergehen und die mentale Gesundheit.

Die Auflistung positiver Effekte auf das Gehirn geht noch weiter. Durch Bewegung wird die Ausschüttung von sogenannten Neurotrophinen, also Wachstumsfaktoren im Gehirn, angeregt. Diese begünstigen die Neuroplastizität, d.h. kurz- und langfristig die Anpassungsfähigkeit unseres Gehirns. Es können neue Verknüpfungen von Nervenzellen (Neuronen) im Gehirn entstehen, womit sich auch die Denkleistung und mentale Beweglichkeit erhöht.

Als ob dem noch nicht genug sei, wird das Gehirn durch regelmässige Bewegung in seinen Strukturen verändert. So zeigen Studien mit Mäusen und auch mit Menschen eindrücklich auf, dass Sport die Nervenzellen im Hippocampus und im Frontalkortex (Stirnbereich des Gehirns) wachsen lässt. Sie sind u.a. massgeblich am Lernen von Neuem beteiligt. Und der «Zufall» will es, dass diese beiden Hirnstrukturen besonders anfällig auf neurodegenerative Erkrankungen sind. Somit trägt Bewegung sehr viel zum Schutz unserer Gehirngesundheit bei und ist Demenzprävention par excellence.

Zum Abschluss noch diese frohe Botschaft: Aktuelle Studien zeigen, dass sogar schon ein einmaliges Training einen positiven Effekt auf das Wohlbefinden und die Gehirnaktivität hat. Damit die Wirkung jedoch anhält, ist regelmässige Bewegung ausschlaggebend.

Fazit: Besonders wenn wir älter werden, können wir mit regelmässiger Bewegung die Gehirngesundheit schützen und das Erinnerungs- und Lernvermögen sowie die mentale Beweglichkeit fördern. Regelmässige Bewegung wirkt somit ein auf die drei Ebenen Körpergesundheit, Gehirngesundheit und psychisches Wohlergehen.

Bewegen Sie sich, mindestens 20 Minuten pro Tag, auch wenn es kalt ist draussen…. und das Gehirn dankt es Ihnen!

Lesen Sie in der Januar-Kolumne von Dr. Barbara Studer, welche Bewegungen und Sportarten besonders gut sind für die Hirnfitness.

Dr. Barbara Studer ist Neuropsychologin, Dozentin an der Universität Bern und Geschäftsführerin der hirncoach GmbH.

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