Ein Vermächtnis für das Leben

Seinen Nachlass zugunsten einer Hilfsorganisation regeln.
Bild: Médecins sans Frontières
Yasmine Lamot-Arasteh ist bei Ärzte ohne Grenzen für den Bereich Legate und Erbschaften verantwortlich.

Die Juristin mit Anwaltspatent arbeitete zunächst im öffentlichen und privaten Sektor. Seit über zweieinhalb Jahren unterstützt sie die humanitäre medizinische Hilfsorganisation mit ihrem juristischen Fachwissen. 

Seinen Nachlass zugunsten einer Hilfsorganisation regeln – das klingt nach viel Aufwand. Wie sehen Sie das?

Die Auseinandersetzung mit dem eigenen Nachlass ist oft gepaart mit vielen Fragen und Unsicherheiten. Die meisten Leute gehen davon aus, dass das Verfassen eines Testaments eine komplexe Sache ist. Aber oft ist das gar nicht der Fall. Viele sind überrascht, wenn ich ihnen erkläre, dass sie ihr Testament zuhause aufsetzen können – ganz ohne die Hilfe eines Notars. Ich sage häufig: «Wer sich vorbereitet, hat die Wahl.» Liegt keine letztwillige Erklärung vor, werden die Erben und Pflichtteile per Gesetz bestimmt. Es lohnt sich also, sich zu informieren und mit den verschiedenen Vorschriften und Möglichkeiten auseinanderzusetzen. Wenn wir über unseren Nachlass nachdenken, ordnen wir gewissermassen unser Leben. Wir formulieren unsere Wünsche und machen uns bewusst, welche Personen oder Organisationen uns besonders am Herzen liegen. Den Menschen, mit denen ich in Kontakt stehe, fällt regelmässig auf, dass es in unseren Gesprächen nicht um das Lebensende geht – sondern um das Leben an sich.

Wo gibt es Informationen zum Thema Legate und Erbschaften?

Bei Ärzte ohne Grenzen haben wir verschiedene Hilfsmittel für Menschen entwickelt, die mehr über das Thema erfahren möchten. Auf unserer Internetseite gibt es einen eigenen Bereich mit Informationen zu den Möglichkeiten und Formalitäten sowie einen «Testament-Rechner». Anhand weniger Fragen zur persönlichen Situation (z. B. Zivilstand, Kinder) lassen sich die gesetzlichen Erben und jeweiligen Pflichtteile ermitteln. Unsere Informationsbroschüre gibt Antwort auf häufige Fragen und zeigt verschiedene Möglichkeiten und Beispiele auf. Es gibt sie kostenlos per Post oder im Download auf unserer Website. Natürlich stehe ich Interessierten auch persönlich komplett unverbindlich zur Verfügung. Dieser direkte Austausch ist enorm wichtig.

Der persönliche Kontakt zu den Erblasserinnen und Erblassern ist für Sie besonders bereichernd. Wie gestaltet sich dieser Austausch? 

Unsere Kommunikation basiert auf Respekt, Vertrauen und absoluter Diskretion. Es ist für mich sehr bereichernd, wenn eine Person mir von ihrem Lebensweg erzählt und davon, was sie bewegt, Ärzte ohne Grenzen in ihrem Testament zu bedenken. Die Verbindung ist auch speziell, weil es um sehr persönliche Themen geht, die manchmal nicht einmal innerhalb der Familie besprochen werden. Es kommt vor, dass ich die Einzige bin, die über den letzten Willen dieser Menschen Bescheid weiss. Ihr Vertrauen ehrt mich. Deshalb ist es mir auch so wichtig, dass ihre Wünsche bei der Nachlassregelung vollständig respektiert werden.

Welche Bedeutung haben Legate und Erbschaften für die Arbeit von Ärzte ohne Grenzen?

Es ist ein grosser Schritt, einer Hilfsorganisation sein Erbe oder einen Teil davon zu hinterlassen. Ein Vermächtnis ist nicht mit der klassischen Spende zu vergleichen. Es ist eine Entscheidung fürs Leben, die sich wiederum direkt auf andere Menschenleben auswirkt. Die Mittel aus Legaten und Erbschaften stehen unseren Notfallteams unmittelbar zur Verfügung. Bei Konflikten, Naturkatastrophen oder Epidemien können unsere Fachkräfte sofort reagieren und mit jedem Einsatz zahlreiche Männer, Frauen und Kinder retten. Egal, wie hoch der Betrag ist – ein Vermächtnis ist immer eine Geste von grosser humanitärer Bedeutung.

Yasmine Lamot-Arasteh
+41 (0)22 849 84 23

yasmine.lamot(at)geneva.msf.org

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