Eine Sammlung italienischer Kunst der Moderne

In Zusammenarbeit mit der Fondazione Musei Civici di Venezia präsentiert das MASI Lugano eine Auswahl von 30 Meisterwerken italienischer Kunst.

Diese wurden zwischen den beiden Weltkriegen von einigen der einflussreichsten Künstler jener Zeit geschaffen: Carlo Carrà, Massimo Campigli, Giacomo Manzù, Ottone Rosai, Scipione und Mario Sironi. Diese aussergewöhnliche Werkauswahl stammt aus historischen Sammlungen italienischer Kunst und wurde kürzlich als langfristige Leihgabe in den Bestand der Ca’ Pesaro- Galleria Internazionale d’Arte Moderna- Fondazione Musei Civici di Venezia aufgenommen.

Mit Ausnahme von Scipione und Manzù, die unabhängigere Positionen eingenommen haben, weisen die in der Ausstellung vertretenen Künstler eine gemeinsame Entwicklung auf: Nach der Erfahrung der Avantgarde-Bewegungen und – für einige von ihnen – der Kriegsteilnahme, schliessen sie sich dem von der Künstlergruppe „Novecento“ und von deren Gründerin und Theoretikerin Margherita Sarfatti in den fühen 1920er Jahren formulierten Prinzip einer „Rückkehr zur Ordnung“ an. Für die Mitglieder dieser Gruppe drückte sich die Überwindung der Avantgarde-Bewegungen – vor allem des Futurismus, dem alle in der Ausstellung vertretenen Künstler verbunden waren – im Rückgriff auf klassische Formen und in einer kompositorischen und formalen Vereinfachung aus, die der Tradition der italienischen Renaissance folgt. In diesem Sinn sind bei den ausgestellten Gemälden angesichts der Suche nach Synthese, Harmonie und formaler Wesentlichkeit auf einer stilistischen Ebene gemeinsame Positionen erkennbar, die im Zeitraum zwischen 1920 und 1950 nicht nur die Kunst in Italien, sondern in ganz Europa kennzeichnen.

Die Ausstellungsgestaltung folgt den einzelnen Künstlern und präsentiert herausragende Arbeiten, die grundlegende stilistische und thematische Entscheidungen in deren Werk markieren oder einen wichtigen Platz in der jeweiligen Sammlungs- und Ausstellungsgeschichte einnehmen. Der Parcours, der die Besucherinnen und Besucher dazu einlädt, ihren Rundgang frei zu wählen, ermöglicht es daher, signifikante Werke zu entdecken, wie Campiglis berühmtes Bild Die Amazonen oder dessen Werk Frau mit Schmuck, Carràs Häuschen am Sesia und Vormittag am Meer, Ottone Rosais Die „Toppa“-Spieler und Strassenverkäufer („Pandiramerinaio“), Manzùs Skulpturen Mädchen auf dem Stuhl und Kardinal sowie die Serie, die Scipione dem Cardinal Decano gewidmet hat. Eröffnet wird die Ausstellung idealerweise von Mario Sironis Bildern Pandora und Der Trinker – ein Werk, das seit den 1950er Jahren zur Sammlung Sarfatti gehört.

Entstanden in den Jahren 1923 und 1924 ist Der Trinker ein signifikantes Beispiel für die experimentelle Phase, in der Sironi versucht, die Bodenständigkeit der Novecento-Gruppe mit den formalen Lösungen der Avantgarde-Bewegungen zu verbinden. Das Thema des Trinkers ist im Werk dieses Künstlers ein häufig wiederkehrendes Motiv und verkörpert, im Gegensatz zu seinen übrigen Sujets, einen Antihelden, der ein Unbehagen symbolisiert, unter dem auch der kreativen und depressiven  Krisen ausgesetzte Sironi zu leiden hatte. Pandora ist dagegen eine wichtige Station im Reifeprozess des Künstlers. Der weibliche Akt ist hier auf eine unbewegliche monumentale Figur reduziert, eine antike Statue vor dem Hintergrund einer unberührten Felslandschaft, die an Leonardo da Vinci erinnert.

Die Reise durch die italienische Kunst in der Zwischenkriegszeit wird mit fünf Gemälden von Massimo Campigli fortgesetzt und darunter befindet sich auch das berühmte Bild Die Amazonen, 1928, das nach dem „Blitzschlag“ bei einem Besuch des römischen Museums Villa Giulia angesichts der dort ausgestellten etruskischen Kunst entstanden ist. Die Aufmerksamkeit für die weibliche Figur, die allerdings erkennbaren und repetitiven Mustern folgt, ist eine Konstante in Campiglis Werk. Das trifft auch auf die beiden eleganten Frauenportraits in Frontalperspektive Frau mit Schleier und Frau mit Schmuck zu, die eine magnetische Faszination ausstrahlen. Das letztgenannte Bild malte der Künstler 1942 in Venedig, wohin er nach Kriegsausbrauch übersiedelt war und wo seine Arbeiten einige Jahre später in einer Einzelausstellung in der Galleria des Cavallino gezeigt wurden.

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