Nach Schädelhirntrauma zurück im Leben

Nach schwerem Schädelhirntrauma zurück im Leben
Malen als Therapie (Bild Rehaklinik Zihlschlacht)
​​​​​​​Jana (35) hatte vor Jahren unverschuldet einen schweren Verkehrsunfall.

Sie erlitt ein schweres Schädelhirntrauma, einen Splitterbruch im Oberschenkel und Knochenbrüche im Handgelenk, einen gebrochenen Unter- und Oberkiefer, einen beschädigten Zahn. Nach 541 Tagen neurologischer Rehabilitation in der Rehaklinik Zihlschlacht schaffte sie den Weg zurück in den Alltag.

Ein Autofahrer schnitt der jungen Frau auf dem Roller den Weg ab. Die beiden kollidierten und Jana flog in weitem Bogen über den Personenwagen. Im Flug verlor sie den Helm und stürzte mit ihrem ungeschützten Kopf direkt auf den Asphalt. In der Folge lag sie drei Wochen im Koma auf der Intensivstation. Um es in Janas Worten zu sagen: «Mit einem Wimpernschlag änderte sich mein Leben komplett.» Drei Monate konnte sie nicht sprechen, wusste nicht, was eine Zahl oder ein Buchstabe ist. «Super» war das erste gesprochene Wort nach dem Unfall. Eine eindrückliche Wortwahl nach all den unzähligen Logopädiestunden.

541 Tage Rehaklinik Zihlschlacht

Eine lange Zeit. Ein langer Weg zurück in den Alltag. Die einseitige Lähmung des Körpers ist geblieben. Sprechen, Schreiben und Lesen sind noch immer sehr anstrengend. «Es ist noch nicht perfekt, aber viel besser», meint Jana. Sie spricht auch über die Tabuthemen Inkontinenz und Sexualität. Jana hat in beiden Bereichen keine Einschränkungen. Die Sexualität sei schöner geworden, die Empfindungen hätten sich auf eine angenehme Art und Weise verändert, berichtet sie offen.

Malen als Therapie

Das Malen und kreative Schaffen ist ein grosses Thema in Janas Leben geworden. Tatsächlich hat sie damit in der Rehaklinik Zihlschlacht begonnen. Eine Freundin hat sie an den therapiefreien Wochenenden in die Kunst des Malens eingeführt. Die Arbeit mit Farben und Formen hat auf Jana eine meditative Wirkung, etwas Befreiendes, etwas Leichtes. Nicht, dass Jana dies nötig hätte. Sie ist nicht traurig oder blickt wehmütig auf dieses Leben davor. Sie ist fröhlich, zufrieden und sehr glücklich über so vieles in ihrem Leben. Über ihren Partner, die tollen Freunde, die liebevolle Familie. Erst nach dem Unfall hatte Jana wieder Kontakt zu ihrem Vater. Als sie zwei Jahre alt war haben die Eltern sich scheiden lassen. Es ist schön, dass die beiden heute einen regelmässigen Kontakt haben.

Zurück im Alltag

Ein entscheidender Faktor ist ihr Umfeld, das mitträgt. Eine eigene Wohnung, das selbständige Autofahren und ihre Arbeitsstelle sind zudem wichtige Bestandteile ihrer Zufriedenheit. Sie schätzt ihre Selbständigkeit, würde aber auch akzeptieren, wenn dies in einigen Bereichen eingeschränkt wäre – so wie in den ersten Jahren. Dunkle Stunden, starke Trauer oder Verzweiflung hatte Jana nur wenige. «Ich lebe viel stärker im Jetzt als früher. Ich mache keine Zukunftspläne mehr. Abmachungen auf ein paar Wochen hinaus, weil Freunde so verplant sind, ja.»

Leidenschaft fürs Malen
Irgendwie siegten von Anfang an die Akzeptanz über diesen Schicksalsschlag und die Dankbarkeit und Demut darüber, dass sie lebt. Jana ist für so vieles dankbar und schätzt die kleinen und grossen Dinge. Die Leidenschaft für das Malen ist bis heute geblieben. Jana malt experimentell und findet auch in den wenigen Momenten der Schwere einen entsprechenden Trost in dieser stillen Ausdrucksweise. Immer wieder stellt Jana ihre Kunstwerke an Vernissagen aus oder verkauft sie – auch Weihnachtskarten – an Adventsmärkten.

Jana geht weiterhin an 20 Tagen im Jahr zur ambulanten Rehabilitation in die Rehaklinik Zihlschlacht. «Es ist wie Heimat», sagt sie.

 

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