Prima Ballerina kehrt auf die Opernhaus Bühne zurück

Über drei Jahre hinweg gedreht, bietet BECOMING GIULIA einen einfühlsamen Blick auf eine Künstlerin auf dem Höhepunkt ihres Könnens sowie ein einzigartiges Porträt von Mutterschaft.

Die Regisseurin Laura Kaehr verbringt viel Zeit in den Proberäumen und führt die Schönheit des Balletts vor Augen, aber auch die enorme harte Arbeit, die dahinter steckt.

Interview mit der Regisseurin Laura Kaehr:

Es gibt kein Voiceover, keine Einführungen. Wir tauchen unmittelbar in Giulias Welt ein.

Diese Entscheidung fiel schon früh in der Schnittphase. Wir wussten, dass Giulia eine starke Figur ist und dass wir all diese emotionalen Höhen und Tiefen einfangen konnten. Wir brauchten keine Erklärungen.

Giulia erzählt ihre Geschichte nicht zuletzt durch den Tanz. Man sieht, dass sie manchmal Schmerzen hat oder sich quält. Das muss sie nicht laut aussprechen.

Ich komme auch vom Tanz, deshalb ist der Tanz für mich ganz klar ein erzählerisches Mittel. Der Tanz ist die Sprache, mit der ich aufgewachsen bin.

Ich habe darauf geachtet, wie ich ihren Tanz filme. Ich kannte die Bewegungen, konnte sie vorhersehen und wusste, wohin ich mich selbst bewegen konnte. Ich habe meine Kameraleute Felix von Muralt und Stéphane Kuthy ermutigt, das Gleiche zu tun, denn so konnten wir alle zusammen tanzen. Giulia war vor der Kamera so ehrlich; man konnte sie sehr gut lesen. Wenn etwas nicht in Ordnung war, drückte ihr ganzer Körper das aus. 

Der Film zeigt, wie sich die Tänzer:innen auf den Gängen des Opernhauses austauschen und sich beschweren. Waren die Protagonist:innen Ihnen gegenüger nicht misstrauisch?

Ich glaube, das Vertrauen kam dadurch zustande, dass sie wussten, dass ich Tänzerin bin. Ich war nicht auf die üblichen Klischees aus, ich war nicht auf ein Drama aus, ich habe nicht darauf geachtet, was sie essen. Ich wollte zeigen, dass es ein echter Job ist: Man hat Terminprobleme und muss sich mit seinen Kolleg:innenen auseinandersetzen. 

Wenn man einen Dokumentarfilm dreht, ist jeder Tag anders. Man ist ständig damit beschäftigt, Konflikte zu lösen und zu kommunizieren. Man entwickelt dieses übermenschliche Einfühlungsvermögen.

Die Geschichte selbst ist so universell wie nur möglich: eine Frau, die Mutter wird und um ihre Karriere kämpft. Was hat Ihr Interesse an diesem Kampf geweckt?

Wir waren keine engen Freundinnen, als wir mit dem Film begannen. Wir haben uns zweimal im Jahr auf einen Kaffee getroffen, und ich habe sie immer im Opernhaus Zürich tanzen sehen. In meinen Augen ist sie die erstaunlichste Künstlerin, die es dort gibt. Eines Tages erzählte sie mir, dass sie einen kleinen Jungen zur Welt gebracht hat und bald zurückkehren würde. Es war fast so, als ob diese Geschichte erzählt werden wollte. Sie hat es auch gespürt.

Denken Sie, dass es einfacher war, weil Sie sie nicht sehr gut kannten?

Viele meiner Schweizer Kolleg:innen haben schöne Filme über Familienmitglieder gemacht. Ich erinnere mich, dass ich dachte: «Meine Güte. Warum mache ich nicht einen Film über meine Mutter?» Manchmal war es schwer, denn ich bin ein intensiver Mensch. Ich wollte 7 Stunden am Stück bei Giulia zu Hause bleiben. Sie hat diesen Drang anerkannt, aber sie ist auch eine frischgebackene Mutter und hat ein eigenes Leben. Es war, als würde man eine Beziehung von Grund auf neu aufbauen, es gab Spannungen und Streitereien. Ausserdem hatte sie nie einen Tag frei! Ihre Karriere dauert schon 20 Jahre – ich hatte vergessen, wie intensiv das ist.

Sie fangen auch den Moment ein, in dem Giulia darüber nachdenkt, was als Nächstes kommt, vor allem, wenn es um ihre Rollen geht. Sie ist es leid, unschuldige Mädchen zu spielen.

Das ist einer der Gründe, warum ich diese Geschichte erzählen wollte. Giulia ist eine seltene Art von Künstlerin, denn sie geht wahrhaftig auf den emotionalen Aspekt ihrer Darstellungen ein. Als ich gedreht habe, gab es keine grosse Vielfalt an Rollen für sie: Romeo und Julia, Der Nussknacker usw. Es war sehr berührend, als sie die britische Choreografin Cathy Marston kennenlernte, die sich für Geschichten interessiert, die sich eben gerade nicht um kleine Mädchen drehen, die zu Frauen werden. Sie ist an anderen Geschichten interessiert: Mrs. Robinson, Der Cellist. Wenn die beiden sich treffen, ist das eine Offenbarung. 

Diese Begegnung scheint zu bedeuten, dass es Zeit für eine Revolution im Ballett ist.

Ich würde mir wünschen, dass sich die Art und Weise, wie Frauenfiguren dargestellt werden, ändert.

 

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