Scheidentrockenheit: Was wirklich hilft

Schmerzen beim Sex müssen nicht einfach dazugehören. Scheidentrockenheit ist häufig und oft viel besser behandelbar, als viele denken.
Scheidentrockenheit: Was wirklich hilft
Vaginale Trockenheit behandeln (Bild: iStock)

Scheidentrockenheit: Was wirklich hilft

Warum wird die Scheide nach den Wechseljahren trockener?

Scheidentrockenheit entsteht häufig nicht einfach deshalb, weil der Körper plötzlich «zu wenig Feuchtigkeit produziert». Dahinter steckt meist eine Veränderung des Gewebes.

Mit sinkendem Östrogenspiegel wird die Vaginalschleimhaut bei vielen Frauen dünner und weniger elastisch. Sie wird schlechter durchblutet und produziert weniger Feuchtigkeit. Gleichzeitig verändert sich das natürliche Gleichgewicht in der Scheide. Dadurch kann der Intimbereich empfindlicher auf Reibung reagieren. Typisch sind ein trockenes oder wundes Gefühl, Brennen, Juckreiz sowie Schmerzen beim Geschlechtsverkehr. Bei manchen Frauen treten zusätzlich häufiger Beschwerden der Harnwege auf.

Das Interessante: Diese Veränderungen können nach der Menopause stärker auffallen als während der eigentlichen Wechseljahre. Während Hitzewallungen bei vielen Frauen irgendwann nachlassen, kann vaginale Trockenheit bestehen bleiben.

Mehr über die hormonellen Veränderungen erfahren Sie im Beitrag Wechseljahre: Alles Wissenswerte auf einen Blick.

Was hilft bei Trockenheit und was hilft nur beim Sex?

Hier lohnt eine klare Unterscheidung. Gleitmittel und vaginale Feuchtigkeitspflege sind nicht dasselbe.

Ein Gleitmittel reduziert die Reibung beim Geschlechtsverkehr. Wenn eine Frau im Alltag keine Beschwerden hat, Sex aber unangenehm geworden ist, kann das bereits viel verändern.

Vaginale Feuchtigkeitsgele oder entsprechende Pflegeprodukte sind dagegen für länger anhaltende Trockenheit gedacht. Sie werden regelmässig verwendet und nicht nur unmittelbar vor dem Sex.

Als praktische Orientierung:

  • nur beim Sex trocken oder empfindlich: Gleitmittel
  • auch im Alltag trocken oder wund: regelmässige Feuchtigkeitspflege
  • deutliche Beschwerden trotz Pflege: gynäkologisch abklären

Bei empfindlicher Schleimhaut gilt zudem: möglichst reizarm wählen. Duftstoffe, Intimsprays und Produkte mit vermeintlichen Frische- oder Kühleffekten bringen keinen zusätzlichen Nutzen.

Wer wegen der Trockenheit bereits Schmerzen erlebt, findet unter Liebeslust ohne Leiden: Schmerzen beim Sex vermeiden weitere praktische Hinweise.

Warum ist mehr Intimpflege nicht automatisch besser?

Weil die Scheide keine intensive Reinigung braucht. Sie hält ihr natürliches Gleichgewicht weitgehend selbst aufrecht. Vaginalduschen, stark parfümierte Waschlotionen oder häufiges Waschen können empfindliche Schleimhäute zusätzlich reizen.

Auch Juckreiz sollte nicht automatisch mit einem Mittel gegen Scheidenpilz behandelt werden. Trockenheit, Infektionen und Hauterkrankungen können sich teilweise ähnlich anfühlen. Wer immer wieder auf Verdacht behandelt, übersieht möglicherweise die tatsächliche Ursache.

Für die tägliche Intimpflege reicht deshalb häufig weniger, als Werbung suggeriert: den äusseren Intimbereich sanft reinigen, unnötige Duft- und Reizstoffe vermeiden und bei Beschwerden gezielt statt wahllos pflegen.

Wann kann lokales Östrogen mehr bewirken als eine Creme?

Wenn die Schleimhaut durch Östrogenmangel deutlich verändert ist, kann reine Feuchtigkeitspflege an ihre Grenzen kommen. Dann kommen lokal angewendete Östrogene infrage. Sie werden beispielsweise als Vaginalcreme, Tablette oder Zäpfchen direkt im Intimbereich eingesetzt. Dort können sie dazu beitragen, die dünner und trockener gewordene Schleimhaut wieder aufzubauen. Das kann Feuchtigkeit, Elastizität und Belastbarkeit verbessern.

Wichtig ist die Unterscheidung zur klassischen Hormontherapie gegen Wechseljahresbeschwerden: Lokales Östrogen wirkt hauptsächlich dort, wo die Beschwerden auftreten. Welche Behandlung geeignet ist, sollte trotzdem mit der Frauenärztin oder dem Frauenarzt besprochen werden, insbesondere bei bestimmten Vorerkrankungen.

Auch hier braucht es keine falsche Zurückhaltung: Wer seit Monaten Beschwerden hat, muss nicht erst sämtliche Intimprodukte aus der Drogerie ausprobieren, bevor medizinische Behandlung ein Thema sein darf.

Was macht Scheidentrockenheit mit der Sexualität?

Sie kann Lust bremsen, obwohl die Lust ursprünglich gar nicht das Problem war. Wenn Sex wiederholt schmerzt, entsteht schnell Anspannung. Manche Frauen gehen dann bereits mit Sorge in die nächste intime Situation und genau das kann die Beschwerden zusätzlich verstärken.

Deshalb sollten Lust und Lubrikation nicht miteinander verwechselt werden. Eine Frau kann sexuelles Verlangen haben und trotzdem unter vaginaler Trockenheit leiden. Hilfreich ist, Schmerzen nicht zu übergehen. Mehr Zeit für Erregung, ein passendes Gleitmittel und andere Formen der Sexualität können den Druck reduzieren. Geschlechtsverkehr muss nicht zum Pflichtprogramm werden. Wie vielfältig Sexualität auch nach den Wechseljahren bleiben kann, zeigt Sex im Alter: Das Liebesleben hat kein Ablaufdatum.

Welche Beschwerden sollte man nicht der Trockenheit zuschreiben?

Scheidentrockenheit ist häufig, erklärt aber nicht automatisch jedes Problem im Intimbereich. Ungewöhnlicher Ausfluss, auffälliger Geruch, stärkere Schmerzen, sichtbare Hautveränderungen oder anhaltendes Brennen sollten abgeklärt werden. Besonders Blutungen nach bereits abgeschlossener Menopause gehören in gynäkologische Hände. Auch wenn Trockenheit trotz geeigneter Pflege bestehen bleibt oder deutlich zunimmt, lohnt sich eine Untersuchung. Denn die wirksamste Behandlung hängt davon ab, was tatsächlich hinter den Beschwerden steckt. 

Die gute Nachricht: Für Scheidentrockenheit gibt es mehrere sinnvolle Lösungen. Entscheidend ist nicht, möglichst viel zu pflegen, sondern die passende Stufe zu wählen. Gleitmittel gegen Reibung, regelmässige Feuchtigkeitspflege bei anhaltender Trockenheit und medizinische Behandlung, wenn die Schleimhaut stärker verändert ist.


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