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Scheidung nach 50 - Die häufigsten Gründe

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So viele Gründe für eine Trennung – aber auch sehr viele, zusammenzubleiben (Foto: Fotalia)

Auch langjährige Ehen werden zunehmend scheidungsanfällig. Die Zahl der Scheidungen im Alter hat merklich zugenommen, seit den 1970er Jahren hat sie sich verdoppelt. Eine Scheidung nach 50 ist keine Ausnahme mehr.

In vielen Fällen wurde bis zum Augenblick der endgültigen Trennung eine unbefriedigende Beziehung dann bereits über einen sehr langen Zeitraum hinweg aufrechterhalten. 
Neben gesellschaftlichen Veränderungen, welche eine Scheidung vom Partner erleichtern können, sind auch individuelle, subjektive Motive für diese Entwicklung verantwortlich.

Faktoren wie der Besitz eines Hauses oder das Vorhandensein gemeinsamer Kinder wirkten sich in den vergangenen Jahrzehnten weitestgehend stabilisierend auf eine Ehe aus. Auch bei Schwierigkeiten bemühten sich Paare tendenziell mehr um die Weiterführung der Ehe. 

Vor allem für Frauen war eine Trennung vom Partner aufgrund ihrer finanziellen Abhängigkeit oftmals unrealistisch.

Die zunehmende wirtschaftliche Eigenständigkeit der Frauen entkräftet bereits ein wesentliches Scheidungshindernis. Bestimmte Neuerungen im Scheidungsrecht erlauben ausserdem eine fairere Aufteilung der gemeinsamen finanziellen Ressourcen.

In der Schweiz waren beispielsweise bis zum Jahre 2000 geldliche Angelegenheiten und der nacheheliche Unterhalt an das sogenannte Scheidungsverschulden gekoppelt. In Deutschland wurde das Schuldprinzip bereits früher abgeschafft.

Das neue Scheidungsrecht stärkt grundsätzlich die Autonomie scheidungswilliger Paare. Einvernehmliche Trennungen können nun schneller vollzogen werden, Scheidungsverfahren werden hierdurch wesentlich weniger langwierig und strittig.

Die gesellschaftlichen Veränderungen verringern auch die Bedeutung subjektiver Hinderungsgründe. Eine Scheidung sorgt längst nicht mehr für so viel Aufsehen wie noch vor 40 Jahren, als eine Trennung bisweilen noch eine Ächtung durch die Gesellschaft zur Folge hatte.

Auch Kirche und Religion haben an Einfluss verloren, individuelle Werthaltungen sind in der Regel nicht mehr so stark von religiösen Vorschriften geprägt.

Diese Entwicklungen können dazu führen, dass die in diesem Beitrag dargestellten Gründe einer Scheidung nach 50 tatsächlich Konsequenzen nach sich ziehen.

Die Scheidung nach 50 ist längst keine Seltenheit mehr

Viele der heute über 50-jährigen Frauen haben über Jahre hinweg ihre eigenen Interessen und Wünsche zugunsten der Familie vernachlässigt. Mit steigendem Alter nimmt auch das Bewusstsein für die Endlichkeit des eigenen Lebens zu. Damit verbunden ist der Drang, die verbleibende Zeit zu geniessen und unerfüllte Träume auszuleben.

Wenn die Kinder den elterlichen Haushalt verlassen, ergeben sich plötzlich neue Freiräume für das Ehepaar. Hier kann es zu Reibungen kommen, da Männer sich eventuell bereits dem Rentenalter nähern und eine Phase der Ruhe und Entspannung anstreben, manche Frauen dagegen möchten nun endlich die Gelegenheit ergreifen, sich zu verwirklichen und die neugewonnene Freiheit bestmöglich zu nutzen.

Viele dieser Ehen wurden in einem Klima der traditionellen und geschlechtsspezifischen Rollen- und Arbeitsteilung geschlossen. Im Laufe der Zeit gewann jedoch die Idee einer gleichberechtigten Partnerschaft an Bedeutung. Das Recht auf Selbstverwirklichung weitete sich zunehmend auch auf die weibliche Bevölkerung aus.

Die häufigsten Gründe für eine Scheidung nach 50

Eine im Jahre 2013 von Perrig-Chiello, Knöpfli und Gloor durchgeführte Untersuchung ermöglichte Einblicke bezüglich der Faktoren, die häufig für eine Trennung im höheren Alter und nach vielen Ehejahren verantwortlich sind und somit eine Scheidung nach 50 begünstigen.

Vor allem Entfremdung und Inkompatibilität wurden vermehrt als Gründe für die Beendigung der Ehe genannt, gefolgt von der Untreue des Partners.

1. Entfremdung
Als häufigster Grund für eine Scheidung nach 50 stellt sich die Entfremdung zweier Eheleute heraus. Man hat sich auseinandergelebt, beispielsweise infolge von veränderten Erwartungen, Wertvorstellungen oder Persönlichkeitseigenschaften.

Oft wird eine solche Entwicklung auf Seiten des Partners als negativ empfunden, ist jedoch die eigene Persönlichkeit betroffen, so wird dies von einem selbst eher positiv bewertet.
Fehlende Nähe und ein abnehmendes Gefühl der Gemeinsamkeit äussern sich in einem Mangel an Kommunikation.

Die Verheirateten sprechen nicht mehr genug miteinander, der verbale Ausdruck von Zuneigung bleibt aus. Mann und Frau haben sich nicht mehr viel zu sagen und leben nur noch nebeneinander her.

Das gegenseitige Interesse geht verloren, beide Partner schenken sich keine ausreichende Aufmerksamkeit mehr. Auch positive nonverbale Kommunikation, vor allem in Form von Berührungen, die Vertrautheit schaffen, ist dann oft nicht mehr möglich.

2. Inkompatibilität 
Viele Ehepaare haben das Gefühl, einfach nicht mehr zusammenzupassen. Diese Unverträglichkeit beider Partner führt dann nicht selten zu einer Scheidung nach 50. Relevante Bereiche können hierbei etwa politische Ansichten, Freizeitbeschäftigungen oder sehr gegensätzliche Freundeskreise sein.

Unterschiedliche Vorstellungen und Bedürfnisse prägen oftmals jahrelang die Beziehung und verursachen dann regelmässige Konflikte oder werden gezwungenermaßen unterdrückt. Letztendlich erweisen sich die Differenzen dann als unüberwindbar.

3. Sexuelle Untreue des Expartners / der Expartnerin
Die sexuelle Untreue des Partners wird vor allem von Frauen als Grund für eine Scheidung nach 50 angegeben. Manche Ehefrauen wissen vom Doppelleben ihrer Männer, vollziehen aber die endgültige Trennung erst wesentlich später.

In vielen Fällen ertragen sie die Affären des Partners über Jahre hinweg, zum Beispiel um das Familienleben aufrechtzuerhalten und die Kinder zu schützen. Haben dann die Kinder das Haus verlassen, ergibt sich auch für die Frau eine Alternative zum Verbleib in der Beziehung.

4. Der/die Expartner/in ist in eine andere Person verliebt
Auch das Verliebtsein des Ehepartners wird von mehr Frauen als Männern als Scheidungsgrund genannt. Männer begeben sich oft im Rahmen einer Midlife Crisis auf die Suche nach einer jüngeren Partnerin.

Mit ihr planen sie einen Neuanfang. Männer neigen allerdings dazu, die Ehe zunächst auch trotz der Beziehung zu einer anderen Frau weiterlaufen zu lassen. Die Trennung und damit auch der nachfolgende Entschluss zu einer Scheidung nach 50 gehen daher recht häufig von der Ehefrau aus.

5. Der/die Befragte ist selbst in eine andere Person verliebt
Die eigene Verliebtheit in eine aussenstehende Person wurde vor allem von Männern als Trennungsursache angeführt. Oft laufen die Ehe und die Beziehung mit der neuen Freundin zunächst parallel. 

6. Eigene sexuelle Untreue des/der Befragten
Ebenso wie die emotionale Bindung an eine/n Dritte/n sind auch die eigenen ausserehelichen sexuellen Beziehungen als Grund für eine Scheidung nach 50 für mehr Männer als Frauen relevant. Hinter dem Fremdgehen steckt zumeist die Unzufriedenheit mit dem ehelichen Sexualleben.

7. Psychische und körperliche Erkrankungen
Psychische und körperliche Erkrankungen können eine große Belastung für ein Paar darstellen. Oft kommt es zu Situationen der Überforderung, zum Beispiel wenn der gesunde Partner sich über einen längeren Zeitraum aufopfernd um den anderen kümmert und dabei zunehmend selbst an Kraft verliert.

Nicht immer schaffen es Menschen, mit den krankheitsbedingten Einschränkungen des Ehepartners umzugehen und für sein Verhalten Verständnis aufzubringen. Dann entstehen früher oder später Konflikte und Streitigkeiten.

8. Kommunikations- und Beziehungsprobleme
Ein weiterer Grund einer Scheidung nach 50 ist mangelnde Kommunikation. Kommunikationsschwierigkeiten stehen oft in Zusammenhang mit der oben beschriebenen Entfremdung zweier Partner.

Tiefgründige Gespräche sind für das Führen einer stabilen Ehe nötig. Aufmerksames Zuhören signalisiert Interesse, der regelmäßige Austausch über Gedanken, Gefühle und Sorgen stärkt die Verbindung und das Vertrauen zwischen den Eheleuten. 

9. Freiheitsbedürfnisse
Freiheitsbedürfnisse und die Aushandlung von Zugeständnissen hinsichtlich Nähe und Distanz stellen in manchen Beziehungen stark konfliktbehaftete Themen dar. Besonders Männer fühlen sich schnell eingesperrt und in ihrer Selbstbestimmung beschnitten, wenn sie der Ehefrau wegen langfristig auf Gewohnheiten verzichten müssen und das Gefühl haben, nicht mehr frei entscheiden zu können.

Sind dauerhaft keine angemessenen Kompromisse möglich und unterscheiden sich die Partner bezüglich ihres Bedürfnisses nach Freiheit zu sehr, erhöht auch dies die Wahrscheinlichkeit einer Scheidung nach 50.

10. Finanzielle und berufsbedingte Beweggründe
Als weitere Ursachen einer Scheidung nach 50 wurden seltener auch finanzielle und berufsbedingte Beweggründe genannt. Wird eine Ehe ohne Ehevertrag geschlossen, handelt es sich dabei meist um eine sogenannte Zugewinngemeinschaft.

Auch nach einer Trennung steht den Verheirateten jeweils die Hälfte des dazugewonnenen Vermögens zu. Erst durch die Scheidung entfällt die Verpflichtung des Partners mit dem höheren Zugewinn, die Hälfte abzugeben. 

Ähnlich verhält es sich mit den Rentenansprüchen. Der während der Ehe schlechter verdienende Partner erhält im Falle einer Trennung weiterhin einen Ausgleich.
Bis zur Scheidung hat der finanziell benachteiligte Partner ausserdem Anspruch auf Trennungsunterhalt.

Die Scheidung nach 50 kann also durchaus sehr praktische Gründe haben. Abgesehen von derartigen materiellen Aspekten können Beziehungen auch stark strapaziert werden, wenn Eheleute beruflich zu sehr eingespannt sind und nicht mehr genug Zeit und Energie für die Familie verfügbar ist. Ebenso kann natürlich auch Arbeitslosigkeit eine Ehe belasten.

11. Häusliche Gewalt
Das Auftreten von physischer oder psychischer Gewalt spielt laut den Ergebnissen der Studie von Perrig-Chiello, Knöpfli und Gloor für den Entschluss zu einer Scheidung nach 50 eine vergleichsweise untergeordnete Rolle. Grundsätzlich werden Aggression und Gewalt jedoch eher von Frauen als Grund für eine Trennung angegeben.

Entfremdung, Inkompatibilität und Untreue - Die Hauptgründe einer Scheidung nach 50

Die heutige gesellschaftliche Situation sowie auch Veränderungen in der Rechtsprechung erleichtern im 21. Jahrhundert die Trennung vom Partner. Eine Scheidung nach 50 erregt kaum mehr Aufsehen. Frauen sind nur noch selten aufgrund einer finanziellen Abhängigkeit vom Ehemann gezwungen, eine unbefriedigende oder belastende Beziehung aufrechtzuerhalten.

Die soziale und wirtschaftliche Absicherung verliert als Argument für die Ehe an Gewicht. In vielen Fällen gehen Trennung und Scheidung nach 50 von den Frauen aus. Die Idee der Selbstverwirklichung gewinnt auch für die weibliche Bevölkerung mehr und mehr an Bedeutung.

Gleichzeitig stellt eine gestiegene Lebenserwartung zunehmend höhere Anforderungen an menschliche Beziehungen. Ehen müssen länger halten als früher. Diese Ausdehnung der gemeinsamen Zeit als verheiratetes Paar kann die Wahrscheinlichkeit des Scheiterns der Beziehung erhöhen.

Auch im Falle einer späten Trennung bleibt den Geschiedenen noch Zeit, sich neu zu orientieren und ihr Leben umzugestalten.

Die häufigsten Ursachen einer Scheidung nach 50 sind Entfremdung und Inkompatibilität, dicht gefolgt von der Untreue eines Partners. Die emotionale Distanz, die entsteht, wenn sich Eheleute zunehmend auseinanderleben, scheint einer Beziehung demnach am meisten Schaden zuzufügen.

Haben die Verheirateten das Gefühl, schlicht und einfach nicht mehr zusammenzupassen, kann auch dies zur Trennung führen. Ebenso stellen sowohl sexuelle Affären als auch eine emotionale Beziehung vor allem des männlichen Partners zu einer aussenstehenden Person weitverbreitete Auslöser für eine Scheidung nach 50 dar.