Werden Bücher bald nur noch digital gelesen?

Werden Bücher bald nur noch digital gelesen?
Der Anteil an digitalen Büchern stagniert (Bild Jason Leung on Unsplash)
Gedruckte Bücher werden nach wie vor gekauft und gelesen. Auch wenn wir inzwischen selbstverständlich digital lesen, stagniert der Ebook Markt seit einigen Jahren.

Noch vor etwa zehn Jahren waren sich Experten einig: Das gedruckte Buch wird in Zukunft wahrscheinlich von digitalen Medien wie dem Ebook abgelöst werden. Zehn Jahre später sieht das Fazit aber ernüchternd aus, denn immer noch lesen die meisten Menschen Bücher in gedruckter Form. Die Gründe für dieses Phänomen sind vielseitig.

Der Anteil an digitalen Büchern stagniert

Die Möglichkeiten, Ebooks zu lesen, sind heute vielseitig. Beliebt sind Ebook Reader, aber auch auf dem Smartphone und Tablet werden digitale Werke gerne gelesen. Doch die Digitalisierung stagniert. In Deutschland lässt sich die Stagnation etwa seit 2014 beobachten. Damals lag der Anteil an digitalen Büchern bei etwa 24 %. 79 % der Deutschen lesen laut Statista auch heute noch hauptsächlich gedruckte Bücher.
In der Schweiz sieht es nicht anders aus, hier lag der Anteil an digitalen Büchern 2018 laut dem Magazin Kassensturz noch bei knapp unter 10 %, mit der Prognose einer Verdoppelung auf etwa 20 %. Bei den in Bibliotheken geliehenen Büchern hat sich der Anteil tatsächlich gesteigert, so wurden 2013 noch 370.000 elektronische Bücher ausgeliehen und 2017 bereits 2 Millionen.
Insgesamt aber stellt die Branche fest, dass ein Grossteil der Leser auch heute noch Gedrucktes bevorzugt. Es gibt zwar Anhänger von Ebooks, aber der Anteil wächst nur langsam bzw. stagniert. Das ist umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass die Vorteile der digitalen Medien doch eigentlich für sich sprechen.

Vorteile des digitalen Lesens

  • Der wichtigste Vorteil ist für viele Nutzer die Praktikabilität. Ein Ebook lässt sich überall ganz bequem auf dem Smartphone oder einen speziellen Reader lesen. Die Geräte nehmen kaum Platz ein, im Falle des Smartphones ist sogar nicht einmal ein zusätzliches Gerät nötig. Im Gegensatz dazu ist ein dicker Schmöker aus Papier unhandlich und schwer.
  • Auf Reisen lassen sich in digitaler Form fast beliebig viele Werke mitnehmen, sofern es der Speicherplatz erlaubt.
  • Nicht zuletzt ist auch der Umweltschutz ein Argument, sich gegen gedruckte Bücher zu entscheiden. Denn für ein Buch wird viel Papier benötigt. Papier wird nur einmal aus Holz hergestellt, für das Bäume gefällt werden müssen.

Vorteile von Büchern gibt es aber auch

  • Doch auch Bücher haben ihre Vorteile, Nutzer mögen vor allem die Haptik des gedruckten Buches.
  • Erstaunlicherweise sind es nicht etwa nur die Älteren, die ein gedrucktes Buch bevorzugen. Auch unter jüngeren Menschen ist der Anteil an Buchlesern gross. Jüngere Menschen geben oft an, dass sie den ganzen Tag über digitale Medien nutzen und es als sehr angenehm und entspannend empfänden, als Ausgleich etwas Gedrucktes zu lesen.
  • Ein weiterer Vorteil ist nicht von der Hand zu weisen: Bücher zu lesen ist für die Augen weniger anstrengend. Zwar können die modernen Reader mit Schwarz-Weiss-Darstellung das Lesen von gedruckter Schrift simulieren. Für normale Displays, Smartphones und Tablets gilt aber, dass die Hintergrundbeleuchtung und der Anteil an Blaulicht die Augen deutlich stärker beanspruchen als ein gedrucktes Buch.

Gründe für die stagnierende Akzeptanz von Ebooks

Die Gründe für die stagnierende Akzeptanz des digitalen Lesens sind vielseitig. Da sind zum einen die Vorlieben einiger Leser für das Buch beispielsweise aus haptischen Gründen oder weil es für sie angenehmer zu lesen ist.
Es gibt aber auch Gründe, die in den Entwicklungen des Marktes selbst liegen. Denn immer noch sind die Preise für Ebooks im Vergleich viel zu hoch.
Zu Beginn wurde erwartet, dass die Digitalisierung die Preise für Bücher drücken würde, aber das Gegenteil war der Fall. Elektronische Bücher kosten heutzutage oft genauso viel wie die Druckausgabe, manchmal sogar mehr. Viele Nutzer sind einfach nicht bereit, für ein nicht materielles Produkt denselben Preis zu zahlen wie für ein gedrucktes Buch.
Selbst wenn man sich für ein Abo bei einem der verschiedenen Anbieter entscheidet, bleibt das digitale Lesen teuer. Gedruckte Bücher lassen sich später weiterverkaufen oder verschenken. Ebooks dürfen hingegen aus rechtlichen Gründen nach dem Lesen nicht weitergegeben werden. Schon allein das macht sie für viele Nutzer uninteressant, die es gewohnt sind, ihren Lesestoff mit Freunden und der Familie zu teilen.

Welche digitalen Lesegeräte für Ebooks sind am beliebtesten?

Etwa 77 % der Leser digitaler Bücher verwenden die schwarz-weissen Ebook-Reader mit Spezialdisplay. Dank hohem Kontrast und kaum wahrnehmbarer Hintergrundbeleuchtung entspricht das Leseerlebnis in etwa dem Lesen von Papier. Zudem sind die Geräte stromsparend.
Etwa 50 % der Nutzer lesen elektronische Bücher auf ihrem Smartphone. Ca. 38 % verwenden hierfür ein Tablet und 23 % lesen auf dem Laptop.

Wo kann ich in der Schweiz Ebooks am günstigsten ausleihen?

Die günstigste Möglichkeit, in der Schweiz digitale Bücher auszuleihen ist "Onleihe". Über Onleihe können Sie digitale Medien virtuell über verschiedene Bibliotheken in der Schweiz ausleihen. Alles was Sie dafür benötigen, ist ein Bibliotheksausweis von einer Bibliothek, die bei Onleihe mitmacht.

Kann ich ein Ebook nach dem Lesen verschenken oder weiterverkaufen?

Die Nutzungsrechte von Ebooks erlauben es leider nicht, sie nach dem Lesen zu verschenken oder zu verkaufen. Streng genommen leihen Sie beim Kauf lediglich die Nutzungsrechte für sich selbst. Das ist ein wichtiger Unterschied zum gedruckten Buch und auch entscheidender Nachteil von elektronischen Büchern.

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