Wie lerne ich vermehrt Nein zu sagen

Wie lerne ich vermehrt Nein zu sagen
Ein Nein zu anderen ist ein Ja zu uns selbst (Bild iStock)
"Nein" sagen zu lernen begleitet die meisten Menschen ihr Leben lang. Dabei kann Ihnen, mit etwas Hilfe, dieses kurze Wort sehr leicht über die Lippen kommen.

Haben Sie schon einmal eine Zusage abgegeben, obwohl Sie tief in Ihrem Inneren einen gewissen Widerstand verspürten? Lautet Ihre Antwort "Ja", so haben Sie vermutlich im richtigen Moment das "Nein" vergessen. Die Gründe dafür können vielfältig sein und sind von Mensch zu Mensch verschieden. Eines ist jedoch klar: Einen Wunsch oder eine Bitte auszuschlagen erfordert Mut und eine klare Einstellung, denn ohne diese kann es Ihnen leicht passieren, dass sie sich in einer Situation wiederfinden, in der Sie gar nicht sein möchten. Mit ein paar Tipps und ein wenig Übung können Sie dieses Problem vermeiden und wieder selbstbestimmter Ihren Alltag gestalten.

1. Ein Nein zu anderen ist ein Ja zu uns selbst

Ein "Ja" kommt den meisten Menschen viel leichter über die Lippen als ein "Nein". Dabei ist das Wort Nein oftmals zu unrecht in der Gesellschaft verpönt. Hören Sie auf sich und Ihren Körper und lernen Sie "Ja" zu sich selbst und ihren Bedürfnissen zu sagen. Selbst wenn Sie andere nicht enttäuschen möchten, so sollten Sie dennoch Ihre eigenen Bedürfnisse nicht hinten anstellen. Sie müssen nicht gleich zum Egoisten werden, sollten jedoch ein gutes Mass an Selbstachtung mitbringen. Wenn Sie das nächste Mal jemand um einen Gefallen bittet, so spüren Sie in sich hinein und stimmen Sie nur zu,  wenn es sich ebenfalls wie ein "Ja" zu Ihnen selbst anfühlt.

2. Finden Sie heraus, wann Sie Probleme haben eine Bitte auszuschlagen

Eventuell fällt Ihnen "Nein" sagen gegenüber bestimmten Personen leichter als gegenüber anderen. Das ist durchaus und normal und verständlich, denn nicht alle Menschen in Ihrem Umfeld stehen Ihnen gleich nahe. Möglicherweise sind es aber bestimmte Bitten, die sie nur schlecht ausschlagen können? Unabhängig davon, was bei Ihnen der Grund ist, sollten Sie dem nachgehen und für sich herausfinden, in welchen Situationen oder bei welchen Menschen Sie speziell ein Problem damit haben, eine Bitte auszuschlagen. 

3. Bitten Sie um etwas Bedenkzeit

Wenn Sie das nächste Mal um etwas gebeten werden, stimmen Sie nicht direkt zu, sondern nehmen Sie sich die Zeit, die sie brauchen. Selbstverständlich möchte Ihr Gegenüber eine sofortige oder sehr zeitnahe Antwort, doch Sie sind nicht verpflichtet diesem Wunsch nachzukommen. Bitten Sie deshalb um ausreichend Bedenkzeit, damit Sie für sich entscheiden können, ob Sie dem Wunsch oder der Bitte nicht nur nachkommen können, sondern nachkommen möchten. Hier kann es helfen, wenn Sie im Kopf die Situation analysieren und einige Fragen für sich beantworten:

  • Um was genau handelt es sich?
  • Wie viel Zeit wird Sie das in etwa kosten?
  • Haben Sie diese Zeit?
  • Möchten Sie die Aufgabe/Bitte übernehmen und haben Sie wirklich Lust darauf?
  • Wer möchte etwas von Ihnen? Ist es eine Person, die Ihnen wichtig ist?
  • Wie oft hat diese Person Sie schon um einen Gefallen gebeten?
  • Wie oft haben Sie diese Person um einen Gefallen gebeten?

Mit diesen Fragen bekommen Sie etwas zu der Situation und können  eine rationalere Entscheidung treffen. Gehen Sie beim nächsten Mal zuerst die Fragen durch, bevor Sie sich entscheiden - so viel Zeit muss sein.

4. Der Ton macht die Musik

Wenn Sie etwas nicht möchten, dann ist es völlig legitim, wenn Sie das genau so kommunizieren. Trotzdem sollten Sie dabei nicht unsensibel sein, um Ihr Gegenüber nicht zu verletzen. Versetzen Sie sich in die Lage der anderen Person und zeigen Sie Verständnis für ihr Anliegen. Beginnen Sie das "Nein" mit einer kurzen Zusammenfassung des Problems und machen Sie der anderen Person glaubhaft, dass Sie dieses Problem verstehen. Gehen Sie im Anschluss darauf ein, dass es Ihnen sehr leid tut, dass Sie nicht bei der Lösung des Problems helfen können. Oftmals hilft es ebenfalls, wenn Sie begründen, warum Sie nicht helfen können oder möchten. In den meisten Fällen sind Sie Ihrem Gegenüber zwar keine Rechenschaft schuldig, dennoch kann es dazu beitragen, dass sich die Situation entspannt und die andere Person im Gegenzug Ihre Situation besser versteht. Abschliessen können Sie die Begründung ebenfalls mit einem Gegenangebot. Damit zeigen Sie, dass Ihnen die Situation der anderen Person nicht egal ist. Dazu könnten Sie beispielsweise mit einem Vorschlag überzeugen, wie das Problem alternativ gelöst werden kann.

Unabhängig davon, welche Bestandteile Sie in Ihre Formulierung mit einbauen, denken Sie in jedem Fall an einen angemessenen Ton und eine freundliche Sprache.

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