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GETRENNTES WOHNEN

Späte Liebe in getrennten Wohnungen

Frauen verhalten sich bei der Suche im Netz passiver als Männer.

Partnersuche im Internet wird auch für ältere Semester immer mehr zur Gewohnheit. Erstaunlich: Die Generation 50plus und sogar Senioren sind weit flexibler und offener gegenüber alternativen Beziehungsformen als die Jüngeren, schreibt Lucie Machac auf «bernerzeitung.ch».

Wenn sich Senioren benehmen wie Teenager, befinden sie sich in einem emotionalen Ausnahmezustand. Sie sind verliebt, was immer öfter ans Licht kommt – auch dank Onlinepartnerbörsen. Beim führenden Partnersucheportal Parship sei der Anteil der älteren Generation in den letzten Jahren «markant gestiegen», sagt Sprecherin Stella Zeco. «Rund 22 Prozent unserer Mitglieder sind 50 Jahre und älter.»

Das Kennenlernen eines Partners übers Internet ist mittlerweile auch unter Senioren, ab 65 aufwärts, salonfähig geworden. Sei dies, weil ihre erwachsenen Kinder sie dazu ermutigen, das Liebesglück im Netz zu suchen, aber auch dank Pro-Senectute-Kursen, die Senioren helfen, sich in der virtuellen Welt zurechtzufinden.

Das Bedürfnis nach Lieben und Geliebtwerden bleibt ein Leben lang und gibt auch im Alter einen Lebenssinn. Verwitwete oder geschiedene Männer haben sich deshalb schon in früheren Zeiten relativ schnell eine neue Partnerin gesucht, Frauen blieben indessen meist bis zum Tod allein. Manche aus Treue zu ihrem verstorbenen Ehemann, die meisten jedoch, weil es gesellschaftlich nicht akzeptiert war, dass sie nochmals heirateten.

Doch die Zeiten haben sich grundlegend geändert. Reifere Frauen und Seniorinnen gehen heute selbstbewusster mit ihren Bedürfnissen um, viele haben oder hatten einen Beruf, sind finanziell unabhängig und nehmen am sozialen sowie am politischen Leben teil. Allgemein sind Senioren heute bis ins hohe Alter fit und vital und können nach einer Scheidung oder nach dem Tod des Partners noch viele Jahre aus dem Vollen schöpfen.

Dass sie dabei immer öfter im Internet auf Partnersuche gingen, sei nichts als logisch, sagt Miriam Guzzo vom «50plus-Treff», einer Onlineplattform, auf der sich die Generation 50 aufwärts über alle möglichen Themen austauschen, Gruppenreisen unternehmen, Freundschaften knüpfen oder eben einen Lebenspartner finden kann.

«Gerade für ältere Singles ist es schwierig, etwa in einer Kneipe einen Partner kennen zu lernen. Und auch den Mut, allein oder vielleicht zu zweit auf Partner- oder Freundschaftssuche zu gehen, haben die wenigsten.» Nicht zu vergessen: Im eigenen Freundeskreis sind in der Regel die meisten in einer Beziehung , und nach der Pensionierung fällt der Arbeitsplatz als mögliche «Partnerbörse» weg, so Miriam Guzzo.

Auf Parship finden gemäss einer Studie von 2012 rund 38 Prozent der Mitglieder einen Partner. Wobei: Neu geknüpfte Paarbeziehungen im Alter sind oft stabiler. «Weil man mit zunehmendem Alter immer besser weiss, was man will und was einem guttut», sagt Parship-Psychologin Barbara Beckenbauer.

«Die meisten 50-Jährigen sind beziehungserfahren, sie haben ihren Traum, sei dies eine Familie oder eine andere Art von Selbstverwirklichung, bereits gelebt.» Während sich Jüngere oft einen Partner wünschten, weil ihr Leben sonst nicht vollständig wäre, seien ältere Menschen viel gelassener und gingen die Partnersuche entsprechend unbelastet von romantischen Illusionen an.

Auf den ersten Blick erstaunt: Die ältere Generation ist weit flexibler und offener gegenüber alternativen Beziehungsformen als 35- bis 50-Jährige. «Bis 50 entspricht das Zusammenwohnen mit dem Partner dem gängigen Wunschbild einer Beziehung», sagt Beckenbauer. Danach ändern sich die Bedürfnisse.

Weil man mehr Zeit hat und nach der Pensionierung geografisch weniger gebunden ist, muss der potenzielle Partner nicht zwingend in der Nähe leben. Und er muss auch nicht jeden Tag verfügbar sein. Insbesondere Frauen haben in dieser Hinsicht klare Vorstellungen: «Viele wollen nicht mehr mit einem Mann zusammenwohnen, weil sie nicht bereit sind, für ihn zu putzen und zu kochen oder ihn zu pflegen.»

Seniorinnen brauchen heute einen Mann auch nicht mehr zwingend als helfende Hand, damit er ihnen die Glühbirne auswechselt oder beim Ausfüllen der Steuererklärung hilft. Sie suchen, so Beckenbauer, vielmehr «einen Sparringspartner, mit dem sie verschiedene Aktivitäten und Zweisamkeit geniessen können.»

Allerdings kann auch die selbstbestimmte Generation 50+ das stereotype Mann-Frau-Verhalten nicht ganz abschütteln. Männer folgen ihrem Jagdinstinkt und sind bei der Onlinesuche deutlich aktiver als Frauen, die lieber «gefunden» beziehungsweise angesprochen werden wollen. Auf Parship versenden Ü-50-Jährige monatlich rund 42 Nachrichten an weibliche Kandidaten, Frauen gerade mal 20 an männliche.

Noch deutlicher zeigen sich die Klischees beim Alter des Partners: Auf Parship suchen Frauen über 50 tendenziell einen gleichaltrigen Partner, Männer über 50 dagegen ausschliesslich eine jüngere Partnerin. Je älter der Mann, desto jünger sollte die Zukünftige sein – nach Zahlen von Parship bis zu 14 Jahre jünger. Psychologin Barbara Beckenbauer hat dafür eine plausible Erklärung: Männer sind im Alter einerseits bedürftiger als Frauen und suchen eher jemanden, der sie umsorgt.

Anderseits spielt die körperliche Ästhetik eine nicht unbedeutende Rolle. Für Frauen ab 70 ist es deshalb nicht einfach, ihren Wunschpartner zu finden. Doch auch reife Damen haben laut Beckenbauer intakte Chancen auf spätes Liebesglück. «Im Alter wird man allgemein genügsamer, und auch die Sexualität ändert sich, je älter beide Geschlechter werden.» Gemeinsame Kuschelstunden werden ab 75 wichtiger als sexuelle Lust.

Doch bei aller Verliebtheit im Alter: Die gemeinsamen Stunden sind endlich. Deshalb ist es betagten Menschen sehr oft ein Bedürfnis, mit dem Partner auch über den Abschluss des Lebens zu sprechen und dank ihm jemanden an ihrer Seite zu haben, der diese Gefühlslage versteht. Und der vielleicht sogar ihre Hand am Sterbebett halten wird.

 

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