WANDERN

Total erleichtert

Wo ist das nächste WC?

Wo ist das nächste WC?

Diese Szene kennt jeder: Man ist auf einer Wanderung, auf einem Spaziergang und sollte dringend auf die Toilette. Man sieht ein Restaurant, weiss um die eigene Rettung, aber gleichzeitig um das eigene Dilemma. Soll man ein WC benützen, ohne dem Wirt dafür etwas zu bezahlen? Soll man einen Kaffee trinken, obwohl man ja gerade einen getrunken hatte und noch gar keinen neuen will? Die Wirte und Hoteliers von Ftan im Unterengadin haben eine Lösung gefunden, die für sie selbst, aber vor allem auch für Gäste und Touristen mustergültig ist.

Bei den Wirten und Hoteliers von Ftan GR sind auch Gäste willkommen, die nur ihre Toiletten benützen - aber gar nichts konsumieren. Wie das geht? Die Gemeinde Ftan bezahlt ihnen 2000 Franken im Jahr, damit sie ihre WC der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen. Eine grosse Erleichterung für alle, kein Konsumationszwang, keine bösen Blick, kein schlechtes Gewissen mehr bei Wanderern und Spaziergängern. "Wir haben damit für alle Beteiligten eine Win-win-Situation geschaffen und bisher nur positive Erfahrungen gemacht", sagte Reto Pedotti, Gemeindepräsident von Ftan zur "Hotellerie und Gastronomiezeitung".

Für die Wirte geht die Rechnung auf, weil sie ihre Toiletten sowieso sauber halten müssen und so einen Netto-Zustupf für ihren Betrieb bekommen. Ausserdem ist die Aktion sehr sympathisch, was ihren Betrieben als lohnendes Ausflugsziel sehr entgegen kommt.

Für die Unterengadiner Gemeinde geht die Rechnung auf, weil sie eine öffentliche WC-Anlage im Dorf hätte bauen müssen. Im langgezogenen Dorf wäre es sehr schwierig geworden, einen geeigneten Standort zu finden. Bau und Unterhalt wäre die Gemeinde viel teurer gekommen als die jährliche Unterstützung der Wirte und Hotelbesitzer.

Die Aktion "Nette Toilette", die nun als roter Aufkleber an einigen Restauranttüren klebt, hat ihren Ursprung in Deutschland. In 130 Städten wird das Konzept bereits angewandt. Erfunden habens also nicht die Schweizer, sondern die Stadt Aalen. Hoffentlich findet die Idee auch in der Schweiz noch viele Nachahmer.