Passwort Manager: Schluss mit dem Passwort-Chaos

Passwort Manager ersetzen Zettel, Zahlentricks und ständiges Zurücksetzen: So bringen Sie Ihre wichtigsten Zugänge sicher und stressfrei in Ordnung.
Online-Konten schützen
Passwort Manager: Schluss mit dem Passwort-Chaos (Bild: iStock)

Passwort Manager: Schluss mit dem Passwort-Chaos

Wie starten Sie, ohne gleich alle Passwörter ändern zu müssen?

Wer sein Passwort verwalten will, braucht kein digitales Grossprojekt. Ein ruhiger Nachmittag genügt für den Anfang. Entscheidend ist, dass Sie nicht bei unwichtigen Kundenkonten starten, sondern dort, wo ein fremder Zugriff besonders grossen Schaden anrichten könnte.

An erster Stelle steht Ihr E-Mail-Konto. Darüber lassen sich bei vielen Diensten neue Passwörter anfordern. Wer Ihr Postfach übernimmt, kann deshalb versuchen, auch auf Shops, soziale Netzwerke oder weitere Konten zuzugreifen. Danach folgen Online-Banking, Bezahldienste, Krankenkasse sowie die Hauptkonten von Apple, Google oder Microsoft.

Ein Passwort Manager erstellt für jeden Zugang ein eigenes starkes Passwort, speichert es verschlüsselt und trägt es beim Anmelden ein. Sie müssen sich nur noch ein besonders sicheres Hauptpasswort merken. Damit fällt auch der gefährliche Trick weg, für jedes Konto dasselbe Grundwort mit einer anderen Zahl zu verwenden.

Schweizer Sicherheitsempfehlungen raten dazu, für jeden Dienst ein eigenes Passwort einzusetzen und den Passwortmanager zusätzlich mit einem zweiten Anmeldeschritt zu schützen.

Beginnen Sie in dieser Reihenfolge:

  • Haupt-E-Mail-Adresse sichern
  • Apple-, Google- oder Microsoft-Konto umstellen
  • Banking und Bezahldienste bearbeiten
  • Shops mit gespeicherten Zahlungsdaten prüfen
  • danach jede Woche einige weitere Konten übernehmen

Welcher Passwort Manager passt zu Ihrem Alltag?

Die bekannteste Lösung ist nicht automatisch die beste. Wichtig ist, dass das Programm auf Ihren Geräten zuverlässig funktioniert und Sie es ohne Umwege bedienen können.

Nutzen Sie hauptsächlich Geräte eines Herstellers, kann die dort eingebaute Passwortverwaltung genügen. Apple, Google und Microsoft bieten Lösungen an, die eng mit ihren Geräten und Benutzerkonten verbunden sind. Der Einstieg ist einfach, allerdings bleiben Sie stärker an das jeweilige System gebunden.

Wer beispielsweise einen Windows-Computer und ein iPhone kombiniert, benötigt häufig eine geräteübergreifende Lösung. Beispiele sind Bitwarden, das quelloffen ist und eine kostenlose Basisversion anbietet, oder 1Password, das kostenpflichtig ist und stark auf komfortable Bedienung sowie die Nutzung auf mehreren Geräten setzt. Bitwarden dokumentiert unabhängige Prüfungen und sein Verschlüsselungsmodell; 1Password beschreibt sein mehrstufiges Sicherheitskonzept ebenfalls ausführlich.

KeePassXC richtet sich eher an Personen, die ihre verschlüsselte Passwortdatei selbst speichern und sichern möchten. Das schafft mehr Kontrolle, verlangt aber auch mehr Eigenverantwortung. Externe Prüfungen sind auf der Projektseite dokumentiert.

Fragen Sie vor der Wahl:

  • Läuft das Programm auf allen Ihren Geräten?
  • Werden neue Einträge automatisch synchronisiert?
  • Gibt es regelmässige Sicherheitsupdates?
  • Können Sie Ihre Daten später exportieren?
  • Ist die Wiederherstellung verständlich erklärt?
  • Gibt es eine zusätzliche Anmeldebestätigung?

Wie richten Sie den Zugang richtig ein?

Das Hauptpasswort schützt die gesamte Passwortsammlung. Verwenden Sie dafür kein altes Lieblingspasswort, keinen Namen und kein Geburtsjahr. Gut geeignet ist eine lange Wortfolge aus mehreren zufälligen Begriffen, die nur Sie kennen.

Noch wichtiger ist ein zweiter Anmeldeschritt. Zusätzlich zum Hauptpasswort bestätigen Sie den Zugang etwa mit einer Authenticator-App, einem Sicherheitsschlüssel oder einem Passkey. Damit reicht das Passwort allein nicht aus, um Ihre gespeicherten Zugänge zu öffnen.

Richten Sie danach die automatische Sperre ein. Wird das Gerät einige Minuten nicht verwendet, sollte sich der Passwort Manager selbst schliessen. Smartphone und Computer brauchen ebenfalls eine PIN, ein Gerätepasswort oder eine biometrische Sperre.

Ihre Grundkonfiguration:

  • langes, einmaliges Hauptpasswort festlegen
  • zusätzlichen Anmeldeschritt aktivieren
  • automatische Sperrzeit einschalten
  • Wiederherstellungscodes ausdrucken
  • Geräte mit PIN oder Biometrie schützen

Bewahren Sie die Wiederherstellungscodes nicht als frei zugängliches Foto auf dem Smartphone auf. Ein Ausdruck bei wichtigen Unterlagen ist oft sinnvoller.

Wie räumen Sie alte Zugänge effizient auf?

Lassen Sie den Passwort Manager nach mehrfach verwendeten und schwachen Passwörtern suchen. Bearbeiten Sie zuerst Konten, bei denen Zahlungsdaten, persönliche Dokumente oder private Nachrichten gespeichert sind.

Sie müssen nicht jede alte Registrierung retten. Ein ungenutztes Konto bei einem Shop, Forum oder Reisedienst kann gelöscht werden. Weniger Konten bedeuten weniger Angriffsmöglichkeiten und weniger Daten, die irgendwo gespeichert bleiben.

Ein realistischer Wochenplan:

  • Montag: zwei wichtige Passwörter austauschen
  • Mittwoch: ein ungenutztes Konto löschen
  • Freitag: Sicherheitswarnungen im Programm prüfen
  • am Wochenende: Wiederherstellungsdaten kontrollieren

Erstellen Sie neue Passwörter immer mit dem eingebauten Generator. Sichere Passwörter müssen weder schön aussehen noch leicht auszusprechen sein. Genau dafür verwenden Sie das Programm.

Beim Online-Shopping hilft ein starkes Passwort nur, wenn auch der Händler seriös ist. Fünf Tipps für sicheres Online-Shopping zeigen, worauf Sie vor einer Bestellung achten sollten.

Warum füllt das Programm manche Passwörter nicht ein?

Das kann eine wichtige Warnung sein. Passwortmanager merken sich nicht nur Ihre Zugangsdaten, sondern auch die dazugehörige Internetadresse. Landen Sie auf einer täuschend ähnlichen Phishing-Seite, wird das Passwort häufig nicht automatisch angeboten.

Kopieren Sie es dann nicht einfach von Hand. Schliessen Sie die Seite und öffnen Sie den Dienst über die offizielle App, ein geprüftes Lesezeichen oder eine selbst eingegebene Adresse.

Seien Sie besonders vorsichtig bei:

  • angeblichen Kontosperren
  • überraschenden Rückzahlungen
  • dringenden Sicherheitswarnungen per E-Mail
  • Anrufen, die Bestätigungscodes verlangen
  • Internetadressen mit kleinen Schreibfehlern

Ein Passwort Manager schützt nicht vor jeder Betrugsmasche. Cybercrime erkennen: Sind Sie online wirklich sicher? erklärt, wie Phishing, gefälschte Shops und manipulierte Nachrichten aufgebaut sind.

Was passiert, wenn das Handy verloren geht?

Solange das Gerät gesperrt ist und der Passwort Manager erneut das Hauptpasswort oder einen zweiten Faktor verlangt, liegen die gespeicherten Daten nicht einfach offen. Kritischer wird es, wenn Sie selbst keinen Zugang mehr erhalten.

Testen Sie deshalb vorab, ob Sie sich auf einem Ersatzgerät anmelden können. Prüfen Sie auch, ob Ihre Wiederherstellungscodes aktuell und zugänglich sind. Wenn Ihr zweiter Faktor nur auf dem verlorenen Handy liegt, benötigen Sie eine Alternative.

Für den Notfall sollten Sie klären:

  • Wo liegen die Wiederherstellungscodes?
  • Können Sie Ihre Daten exportieren?
  • Wie melden Sie ein verlorenes Gerät ab?
  • Welche Vertrauensperson kennt Ihre Notfallanweisungen?
  • Welche Zugänge müssen im Ernstfall rasch erreichbar sein?

Schreiben Sie das Hauptpasswort nicht offen in eine allgemeine Kontakt- oder Adressliste. Eine versiegelte Notfallanweisung bei wichtigen Dokumenten ist die bessere Lösung.

Wer seine Passwörter Schritt für Schritt ordnet, gewinnt nicht nur Sicherheit. Auch das ständige Suchen, Zurücksetzen und Raten fällt weg. Ein gutes System besteht am Ende aus einem starken Hauptpasswort, einem zweiten Anmeldeschritt und einzigartigen Zugangsdaten für jedes Konto.

Online-Kompetenz: Viele Menschen fühlen sich digital überfordert. Einfache Strategien bieten Sicherheit und einen entspannten Umgang mit neuen Technologien. Mehr Erfahren in unserem Beitrag: Digital überfordert? So geht's leichter. 


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