Vermögen geniessen: Wann Sparen keinen Sinn mehr macht

Wer im Alter ein volles Konto hat, hat nicht automatisch alles richtig gemacht. Oft stecken darin Jahre, die Sie lieber hätten leben sollen.
Vermögen ausgeben anstelle unnötig zu sparen
Wann sparen zu viel ist. Vermögen während Lebenszeit ausgeben (Bild: iStock)

Vermögen geniessen: Wann Sparen keinen Sinn mehr macht

Wie viel Lebenszeit steckt in Ihrem Vermögen?

Vermögen entsteht nicht einfach. Dahinter stehen Arbeitsstunden, Verzicht, verschobene Ferien, zusätzliche Verantwortung und Entscheidungen gegen Freizeit. Wer spart, tauscht einen Teil seiner Lebenszeit gegen finanzielle Sicherheit. Das ist sinnvoll, solange das Geld später einen Zweck erfüllt. Problematisch wird es, wenn deutlich mehr übrig bleibt, als Sie selbst je brauchen oder bewusst vererben wollten.

Dann stellt sich eine unangenehme Frage: Haben Sie vielleicht mehr gearbeitet und auf mehr verzichtet, als nötig gewesen wäre? Genau darin liegt der eigentliche Preis übermässigen Sparens. Nicht in der Zahl auf dem Konto, sondern in den Jahren, in denen Sie das Geld verdient haben.

Was haben Sie alles auf «später» verschoben?

Vielleicht die längere Reise mit 40. Vielleicht die Auszeit mit 50. Vielleicht wollten Sie schon mit 55 weniger arbeiten, haben aber noch einige Jahre angehängt, weil «etwas mehr Reserve nie schadet». Solche Entscheidungen wirken einzeln vernünftig. In der Summe können sie jedoch bedeuten, dass Sparen immer Vorrang hatte – vor Reisen, Familie, Hobbys, Freundschaften oder einfach freier Zeit.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur: «Kann ich mir das leisten?» Sondern auch: «Was kostet es mich, wenn ich es nicht tue?». Ein verschobenes Erlebnis kostet vielleicht kein Geld. Aber möglicherweise Zeit, Energie oder eine Gelegenheit, die so nicht wiederkommt und welche Sie eventuell später auch aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr wahrnehmen können.

Warum kann zu langes Warten teuer werden?

Weil nicht jede Möglichkeit unbegrenzt verfügbar bleibt. Eine Fernreise, ein mehrwöchiger Campertrip, eine anspruchsvolle Wanderung oder ein sportliches Abenteuer kann mit 45, 55 oder 65 gut machbar sein. Mit 80 vielleicht ebenfalls, vielleicht aber auch nicht mehr. Eine unangenehme Krankheit kann leider jeden jederzeit treffen, egal in welchem Alter.

Gesundheit, Kondition und Beweglichkeit lassen sich nicht exakt planen. Das bedeutet nicht, dass man im hohen Alter nichts mehr unternehmen kann. Es bedeutet nur: Wer alles konsequent auf später verschiebt, geht das Risiko ein, dass das Geld noch da ist, die Möglichkeit aber nicht mehr. Ein guter Finanzplan sollte deshalb nicht nur Vermögen schützen. Er sollte auch das richtige Zeitfenster für Wünsche berücksichtigen.

Wann wird Sparen zum Selbstzweck?

Wenn das Ziel verloren geht. Viele Menschen haben sich jahrzehntelang daran gewöhnt, dass ein steigender Kontostand beruhigt. Sparen wird zur Routine. Unabhängig davon, ob zusätzliche Reserven überhaupt noch gebraucht werden. Genau dann lohnt ein Perspektivwechsel.

Fragen Sie sich:

  • Welche Summe brauche ich realistisch für mein eigenes Leben?
  • Welche Reserve möchte ich für Gesundheit, Wohnen und Unvorhergesehenes behalten?
  • Wie viel möchte ich ganz bewusst vererben?
  • Welcher Teil meines Vermögens hat danach eigentlich noch eine Aufgabe?

Was keine klare Aufgabe mehr hat, muss nicht automatisch weiter anwachsen.

Wie verändern sich Ausgaben im Laufe des Lebens?

Sie bleiben nicht konstant. Während des Berufslebens kosten Pendeln, Auto, Berufskleidung, Restaurantbesuche oder eine grössere Wohnung möglicherweise mehr. Später verändert sich vieles: Die Kinder sind selbstständig, ein zweites Auto wird überflüssig, das Haus wird gegen eine kleinere Wohnung getauscht oder Reisen werden ruhiger.

Gleichzeitig können neue Kosten entstehen, etwa für Gesundheit, Unterstützung oder Pflege. Genau deshalb ist eine Planung nach Lebensphasen sinnvoller als die pauschale Annahme, man müsse bis zum Lebensende immer mehr sparen.

Wer sich mit dem Übergang in den Ruhestand beschäftigt, findet im Beitrag Frühpensionierung: so geht's weitere Überlegungen dazu, wie Vermögen auch freie Zeit ermöglichen kann.

Was soll wirklich als Erbe bleiben?

Ein Erbe sollte geplant sein und nicht zufällig entstehen. Wenn Sie Ihren Kindern einen bestimmten Betrag hinterlassen möchten, ist das ein klares Ziel. Dasselbe gilt, wenn eine Immobilie in der Familie bleiben soll. Etwas anderes ist es, wenn ein grosser Nachlass nur deshalb entsteht, weil Sie sich selbst jahrzehntelang kaum erlaubt haben, Vermögen auszugeben. Dann wurde nicht bewusst vererbt. Dann blieb einfach viel übrig.

Unser Beitrag Erbe planen: Warum Offenheit Konflikte verhindert zeigt, weshalb klare Vorstellungen beim Nachlass so wichtig sind.

Warum kann Geld für Kinder früher mehr bewirken?

Weil Geld nicht in jeder Lebensphase denselben Nutzen hat. Eine finanzielle Unterstützung mit 30 oder 35 kann Ausbildung, Wohneigentum oder eine berufliche Selbstständigkeit ermöglichen. Mit 60 oder 65 ist dieselbe Summe zwar weiterhin willkommen, verändert das Leben aber womöglich deutlich weniger.

Das heisst nicht, dass Eltern ihr Vermögen möglichst früh verschenken sollen. Die eigene Absicherung muss immer Vorrang haben, und grössere Schenkungen sollten rechtlich und steuerlich sauber geprüft werden.  Aber der Zeitpunkt zählt. Vielleicht ist es wirkungsvoller, den Kindern dann zu helfen, wenn sie Kapital wirklich brauchen. Statt ausschliesslich ein möglichst grosses Erbe zu hinterlassen.

Wofür sollte Ihr Geld heute arbeiten?

Nicht für beliebigen Konsum. Es sollte für Dinge arbeiten, die Ihnen wichtig sind und sich nicht beliebig verschieben lassen: gemeinsame Zeit, Erlebnisse, Gesundheit, Entlastung, Projekte oder weniger Erwerbsarbeit. Vielleicht bedeutet Vermögen geniessen, mit 50 ein Sabbatical zu nehmen. Mit 60 das Arbeitspensum zu reduzieren. Mit 65 eine längere Reise zu machen. Oder den Kindern früher zu helfen.

Der Punkt ist nicht das Alter. Der Punkt ist, Geld dann einzusetzen, wenn es den grössten Nutzen stiftet.

Wie viel ist genug?

Darauf gibt es keine pauschale Zahl. Aber irgendwann sollte jeder Sparer beantworten können, wofür weiteres Vermögen noch benötigt wird. Wenn Ihre eigene Versorgung solide geplant ist, Reserven vorhanden sind und ein gewünschtes Erbe berücksichtigt wurde, dann kann weiteres Sparen seinen Sinn verlieren. Denn Vermögen ist gespeicherte Lebenszeit.

Wenn am Ende viel davon ungenutzt bleibt, obwohl Sie es weder selbst brauchten noch bewusst weitergeben wollten, haben Sie möglicherweise nicht einfach «gut gespart». Sie haben Lebenszeit gegen Geld getauscht, das nie mehr zum Leben wurde.

Neue Herausforderung: Ein Neustart öffnet Türen zu neuen Horizonten. Wagen Sie den Schritt in ein erfülltes Leben und entdecken Sie ungeahnte Möglichkeiten. Lesen Sie in unserem Beitrag "Mut zum Neustart: Der Weg zu neuen Horizonten" mehr dazu. 


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