Familienrollen verändern Beziehungen

Familienrollen verändern sich, ebenso die damit verbundenen Beziehungen. Die Herausforderung besteht in der erfolgreichen Gestaltung der Übergänge.
Familienrollen verändern Beziehungen
Übergänge im Familienleben meistern (Bild: iStock)

Familienrollen verändern Beziehungen

Das Erwachsenwerden der Kinder
Wenn Kinder allmählich erwachsen werden und irgendwann das Elternhaus verlassen, stehen Sie als Eltern vor einer grossen Herausforderung. Die Familienkonstellationen verändern sich tiefgreifend, und was bisher selbstverständlich Ihren Alltag und Tagesablauf bestimmt hat, verändert sich grundlegend.

In Ihrer Elternrolle haben Ihre Kinder den Takt vorgegeben, ob es die Begleitung bei den Hausaufgaben, das Schlichten von Geschwisterstreitigkeiten oder das Fahren zu zahlreichen Aktivitäten von der Schule bis zur Freizeitgestaltung war.

Je älter Ihre heranwachsenden Kinder werden, desto wichtiger werden Gleichaltrige für ihre Entwicklung. Sie sind gefragt, Ihre Kinder immer mehr als eigenständige Persönlichkeiten kennenzulernen, die weiterhin Ihre Liebe und Zuwendung brauchen, aber nicht mehr Ihre Versorgung rund um die Uhr. 

Wenn der Nachwuchs flügge wird, beginnt auch für die Eltern ein neuer Lebensabschnitt. Die Konstellation der Familie ändert sich grundlegend. Plötzlich zu zweit - wenn die Kinder ausziehen.

Sie sind gefordert, sich allmählich von Ihrer Rolle als Versorger und Organisator zu verabschieden und mit der vielen frei werdenden Zeit für sich selbst und Ihren Partner neu und anders umzugehen.

Wenn Ihre Kinder endgültig ausziehen und ihr eigenes Leben auf die Beine stellen, bleiben Sie immer noch Eltern, aber Ihre Rolle verändert sich wesentlich. Viele Eltern sind mit dem Auszug der erwachsenen Kinder überfordert. Auf das Loslassen des Nachwuchses können Sie sich jedoch ganz einfach vorbereiten: Elternrolle neu definieren: Loslassen lernen.

Geben Sie Ihren Kindern den so wichtigen Freiraum, lassen Sie los, aber bleiben Sie weiterhin für sie da und bieten bei Bedarf Unterstützung an. Und lernen Sie sich selbst neu und anders kennen, als Mensch mit erwachsenen Kindern und deutlich mehr Zeit für die eigenen Bedürfnisse.

Familienrollen – Trennung und neue Partnerschaften
Die klassische Kernfamilie ist nur einer von vielen verschiedenen Lebensentwürfen. Vielleicht trennen Sie sich irgendwann von Ihrem Ehe- oder Lebenspartner und dürfen eine neue Liebe erleben. Das kann beglückend und aufregend zugleich sein, denn Ihre Kinder kennen zunächst nur das gewohnte Elternbild und sind vielleicht verunsichert durch jemanden Neuen.

Gleichzeitig muss auch Ihr Partner seinen Platz in Ihrer Familie finden, vielleicht auch in einer neuen Rolle als unterstützendes Patchwork-Elternteil. Kommunizieren Sie so viel wie möglich mit allen Beteiligten über die jeweiligen Erwartungen – auch über Ihre eigenen. Lassen Sie so wenig wie möglich unausgesprochen, um keinen Nährboden für Konflikte entstehen zu lassen.

Geduld ist einer der wichtigsten Faktoren bei neuen Familienkonstellationen und den damit verbundenen Rollen. Geben Sie sich und allen anderen Zeit, bis sich die neuen Strukturen in Ihrer Familie stabilisiert haben. Bleiben Sie im Dialog und schaffen Sie gemeinsame Erlebnisse mit allen Beteiligten, damit Sie zusammenfinden und einander besser kennenlernen. Hilfreiche Informationen rund um familiär Pro Juventute.

Berücksichtigen Sie dabei stets, dass neue Bindungen und neue Familienrollen viel Zeit und Toleranz benötigen. Zudem sollte niemand eine Rolle einnehmen, die er oder sie nicht möchte. Ein regelmässiger und aufrichtiger Austausch ist hierbei besonders wichtig.

Von Eltern zu Grosseltern
Wenn Ihre Kinder irgendwann selbst Kinder bekommen, sind Sie als Grosseltern gefragt – eine neue und meist sehr beglückende Zeit, die Ihnen vielleicht merkwürdig vertraut vorkommt. Vergessen Sie bei aller Freude nicht: Sie sind sozusagen die "Zweitbesetzung". Sowohl für Ihre Kinder als auch für Ihre Enkelkinder ist es grossartig, dass Sie da sind, Zeit zur Verfügung stellen, eine Bindung eingehen und sich engagieren.

Gleichzeitig sind es Ihre Kinder, die den Rahmen und die Erziehungsmethoden vorgeben, auch wenn diese vielleicht anders sind, als Sie es für richtig halten oder selbst gehandhabt haben. Unterstützen Sie Ihre Kinder, aber übernehmen Sie nicht ihre Rolle als Eltern. Tolle Grosseltern sind von unschätzbarem Wert, wenn sie begleiten, ohne zu belehren oder zu verurteilen.

Und ja, Sie dürfen in Ihrer Rolle als Grosseltern auch Grenzen setzen. Sie müssen nicht jedes Wochenende zur Verfügung stehen und sind auch nicht der jederzeit verfügbare Babysitter. Setzen Sie auf klare Absprachen, was die Verantwortung angeht, und sprechen Sie gezielt über Erwartungen und Vorstellungen. Und seien Sie darüber hinaus gerne für Ihre Enkelkinder da – gelegentliches Verwöhnen inklusive.

Interessant übrigens auch folgendes Thema: Schwiegereltern sind für viele Paare eine Herausforderung. Ihnen haftet oftmals ein negativer Beigeschmack an. Doch das muss nicht sein. Schwiegereltern werden - eine neue Rolle im Leben.

Familienrollen – pflegebedürftige Eltern
Eine der wohl schwierigsten Situationen ist das Altwerden der eigenen Eltern. Dies gilt umso mehr, wenn eine umfassende Hilfsbedürftigkeit besteht, etwa im Zusammenhang mit einer Demenzerkrankung. Plötzlich scheint es, als würden Sie die Rollen tauschen, indem Sie sich um die Versorgung und Pflege Ihrer betagten Eltern kümmern. Das kann gerade in der Anfangszeit emotional sehr überwältigend sein, vor allem, weil es das innere Bild von den eigenen Eltern verändert.

Besonders schwer ist das neue Rollenerleben, wenn pflegerische Aspekte im Vordergrund stehen und Eltern dies ablehnen oder Sie gegen die Wünsche Ihrer Eltern entscheiden müssen, um sie zu schützen. Hier kann es für Sie hilfreich sein, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen – nicht nur in Form eines unterstützenden Pflegedienstes, sondern auch für sich selbst.

Sprechen Sie mit Angehörigen, Ihren Geschwistern oder einer Beratungsstelle und akzeptieren Sie auch Ihre eigenen Grenzen.


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