Nachts wach: Was Ihr Körper Ihnen sagen will

Mitten in der Nacht wach? Entscheidend ist nicht die Uhrzeit, sondern was Sie geweckt hat. Genau darin steckt oft der Schlüssel zu besserem Schlaf.
Durchschlafprobleme
Häufiges Aufwachen in der Nacht (Bild: iStock)

Wann ist nächtliches Aufwachen überhaupt ein Problem?

Eine Nacht besteht nicht aus acht Stunden ununterbrochenem Tiefschlaf. Der Körper wechselt zwischen verschiedenen Schlafstadien, und an deren Übergängen können kurze Wachmomente auftreten. Oft erinnern wir uns am Morgen gar nicht daran. Wer genauer verstehen möchte, was während einer Nacht passiert, findet dazu einen guten Überblick über Schlaf und Schlafphasen.

Problematisch wird nächtliches Aufwachen eher dann, wenn es regelmässig passiert, Sie längere Zeit wach bleiben oder der nächste Tag darunter leidet. Müdigkeit, Konzentrationsprobleme und das Gefühl, trotz ausreichender Bettzeit nicht erholt zu sein, sind dabei oft aussagekräftiger als die Zahl der Wachphasen.

Noch wichtiger ist die Frage: Was nehmen Sie unmittelbar beim Erwachen wahr? Genau dieser Moment kann Hinweise auf den Auslöser geben.

Was weckt Sie und was können Sie dagegen tun?

Sie müssen zur Toilette. Ein einzelner nächtlicher Toilettengang ist nicht ungewöhnlich. Werden es regelmässig mehrere, lohnt zuerst ein Blick auf den Abend: grosse Getränkemengen später am Abend und Alkohol können den Harndrang fördern. Verlagern Sie einen Teil des Trinkens auf den Tag, ohne insgesamt zu wenig zu trinken. Bleibt häufiges nächtliches Wasserlassen bestehen, können unter anderem Blase, Prostata, Medikamente oder andere gesundheitliche Faktoren eine Rolle spielen.

Sie wachen schweissgebadet auf. Ist das Schlafzimmer sehr warm oder die Decke zu dick, lässt sich die Ursache schnell testen: einige Nächte kühler schlafen und leichtere Bettwäsche verwenden. Bei Frauen können nächtliche Hitzewallungen während der Wechseljahre dahinterstecken. Der Beitrag Schlafstörungen durch Menopause – was hilft wirklich? vertieft diesen Zusammenhang. Starker Nachtschweiss, der neu auftritt, häufig wiederkehrt oder ohne erkennbare Erklärung besteht, sollte dagegen abgeklärt werden.

Die Beine lassen Sie nicht in Ruhe. Kribbeln, Ziehen und ein ausgeprägter Bewegungsdrang, der vor allem abends in Ruhe auftritt und durch Aufstehen oder Gehen besser wird, passen zum Restless-Legs-Syndrom. Eisenmangel kann dabei eine Rolle spielen. Kurzfristig empfinden manche Betroffene Bewegung als angenehm; bei regelmässigen Beschwerden ist jedoch eine medizinische Abklärung sinnvoll.

Sie wachen mit trockenem Mund, heftigem Schnarchen oder Luftnot auf. Dann sollte die Atmung genauer angeschaut werden. Bei einer Schlafapnoe wird der Schlaf durch wiederholte Atemstörungen unterbrochen, teilweise ohne dass sich Betroffene an jedes Erwachen erinnern. Auffällig sind insbesondere beobachtete Atempausen, starke Tagesmüdigkeit oder morgendliche Kopfschmerzen. Das gehört nicht mit Schlaftipps behandelt, sondern abgeklärt.

Schmerzen oder Sodbrennen holen Sie aus dem Schlaf. Dann ist nicht der Schlaf selbst das eigentliche Problem. Rücken- und Gelenkbeschwerden, Reflux oder andere körperliche Symptome können in der Ruhephase stärker auffallen. Hier bringt eine neue Schlafroutine wenig, solange der Auslöser bestehen bleibt.

Welche Rolle spielen Wein, spätes Essen und der Kopf?

Alkohol ist ein gutes Beispiel dafür, warum Einschlafen und Durchschlafen zwei verschiedene Dinge sind. Ein Glas Wein kann zunächst müde machen, später aber den Schlaf unruhiger werden lassen und Wachphasen begünstigen. Wer regelmässig am Abend Alkohol trinkt und nachts aufwacht, kann daraus einen einfachen Selbstversuch machen: einige Abende konsequent darauf verzichten und vergleichen. Der Zusammenhang wird im Beitrag Schlafkiller Alkohol: Warum Sie nachts aufwachen genauer erklärt.

Auch ein sehr spätes oder schweres Abendessen kann den Schlaf stören. Besonders wenn Sie mit Völlegefühl oder Sodbrennen erwachen, lohnt es sich, Mahlzeit und Schlafenszeit weiter auseinanderzuziehen.

Anders funktioniert der Kopf: Manchmal wacht man aus einem völlig normalen Schlafphasenwechsel kurz auf – und beginnt dann zu denken. Plötzlich werden Termine geplant, Gespräche analysiert und Probleme gelöst. Das eigentliche Schlafproblem entsteht dann erst nach dem Erwachen.

Wer längere Zeit hellwach liegt, sollte nicht verzweifelt versuchen, Schlaf zu erzwingen und ständig auf die Uhr schauen. Eine ruhige Tätigkeit bei gedämpftem Licht kann sinnvoller sein; zurück ins Bett geht es, wenn die Müdigkeit wiederkommt.

Wie finden Sie Ihren persönlichen Schlafstörer?

Für eine Woche genügt morgens eine Minute. Notieren Sie nicht jede Schlafphase, sondern nur das, was tatsächlich hilfreich ist:

  • Was hat Sie vermutlich geweckt?
  • Wie oft erinnern Sie sich ans Erwachen?
  • Waren Sie danach kurz oder lange wach?
  • Gab es Alkohol, spätes Essen oder besonderen Stress?
  • Wie erholt fühlten Sie sich am Morgen?

Nach einigen Tagen wird häufig ein Muster sichtbar. Vielleicht schlafen Sie ohne spätes Glas Wein deutlich stabiler. Vielleicht wacht immer die Blase zuerst auf. Oder die vermeintlich «schlechte Nacht» besteht eigentlich nur aus zwei kurzen Wachmomenten, während Sie sich am Morgen völlig fit fühlen. Solche Muster sind wesentlich hilfreicher als die Frage, ob man nachts um 2.17 oder um 3.42 Uhr aufgewacht ist.

Wann ist Abwarten keine gute Strategie?

Der nächste Tag liefert einen wichtigen Hinweis. Wenn Sie trotz gelegentlichem Erwachen wach, leistungsfähig und erholt sind, müssen Sie Ihren Schlaf nicht zwangsläufig «reparieren».

Anders sieht es bei ausgeprägter Tagesmüdigkeit, ungewolltem Einnicken, morgendlichen Kopfschmerzen oder anhaltenden Konzentrationsproblemen aus. Auch Atemaussetzer, starke Beinunruhe, wiederkehrender ausgeprägter Nachtschweiss, Schmerzen oder sehr häufiger Harndrang verdienen eine Abklärung. Bei wochenlang bestehenden Schlafproblemen empfiehlt auch die Schlafmedizin eine ärztliche Beurteilung.

Nächtliches Aufwachen ist also zunächst kein Alarmsignal. Interessant wird es durch das, was Sie dabei bemerken.

Die Blase, die Atmung, unruhige Beine, Schmerzen, Temperatur, Alkohol oder ein plötzlich hellwacher Kopf liefern völlig unterschiedliche Hinweise und verlangen entsprechend unterschiedliche Lösungen. Wer diesen Unterschied erkennt, hat deutlich bessere Chancen, wieder entspannter durch die Nacht zu kommen.

Erholungsrhythmus: Sie fühlen sich müde und schlapp, schlafen aber nicht richtig? Warum der Körper rebelliert und wie Sie zu einem erholsamen Schlaf finden, lesen Sie in unserem Beitrag: Schlaflos trotz Müdigkeit: Wenn der Körper rebelliert.


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